Es gibt ein großes Problem bei Schulfußballturnieren (und,
wie man hört, auch bei anderen Schulwettkämpfen in Teamsportarten): Am Ende
machen die Schulen den Sieger unter sich aus, die auf einen Spielerblock aus
einem Verein zurückgreifen können.
Das gibt es jedes Mal. Klar, manche Schulen teilen das
Einzugsgebiet mit einem Verein.
Das Problem: Die Fußballarbeit an der Schule wird dadurch
komplett entwertet.
Man nehme meine Mädchenfußball AG als Beispiel.
Wir existieren in einem fast vereinsfreien Raum. In den
jetzt bald acht Jahren, die ich den Job mache, konnte ich nur drei
Vereinsspielerinnen einsetzen. Dafür kann niemand etwas, es ist reiner Zufall –
in der näheren Umgebung unserer Schule lockt ein Feldhockeyverein, die
Fußballvereine sind bei uns einfach nicht präsent. Unter den Jungen gibt es
zwar ein paar mehr Vereinsspieler, aber einen Block aus ein und demselben
Verein haben wir auch bei ihnen noch nie gehabt.
Aber meine Mädchen sind motiviert, gut und zahlreich. Und mein
Training ist nicht soooo schlecht – bilde ich mir zumindest ein. In den meisten
Schuljahren sind wir Teams, die wie wir ohne Vereinsspieler oder nur mit
einigen wenigen antreten müssen, eher überlegen und schneiden gegen sie ganz
gut ab. Das ist der verdiente Lohn für die Zuverlässigkeit und das Engagement
meiner Mädels, und für die Mühe, die ich mir mit ihnen mache – da wir an jedem
möglichen Wettkampf teilnehmen und auch noch stets auf der Suche nach
Freundschaftsspielen sind, haben meine Mädchen auch wesentlich mehr
Spielerfahrung als andere reine Schulteams.
Leider zahlt sich das bei den großen Schulturnieren nicht
aus. Stattdessen bekommen wir jedesmal auf die Mütze, sobald ein als Schulteam
getarntes Vereinsteam auftaucht – oft genug schon in der ersten Runde. So geht
es auch allen anderen „echten“ Schulteams.
Den Kindern, die nicht in einem Verein spielen, wird so die Chance
genommen, sich zu präsentieren, Erfahrung und Selbstbewusstsein zu sammeln, zu
Gunsten von Kindern, die dazu im Verein genug Gelegenheit bekommen. Besonders
motivierend ist es natürlich auch nicht, ständig chancenlos zu sein.
Dabei ist es das
erklärte Ziel der Schulwettkämpfe, zum Sport zu motivieren und Kindern
Gelegenheit zu geben, sich auszuprobieren. Dieses Ziel wird von den
Vereinsteams unterminiert.
Und nicht mal die Vereinsspieler profitieren wirklich davon.
Es ist keine Herausforderung, Schulteams wegzuputzen. Der Lernzuwachs hält sich
in starken Grenzen, wenn man sich nicht mal auf neue Mitspieler einstellen
muss, geschweige denn, halbwegs gleichwertigen Gegnern gegenübersteht. Und die
Spielerfahrung aus den paar Schulturnieren spielen für jemanden, der jedes
Wochenende ein Ligaspiel hat, auch keine große Rolle.
Teams mit Vereinsblocks machen aus den Schulturnieren, die
so wichtig und wertvoll sein könnten, nahezu überflüssige Witzveranstaltungen.
Also: VERBANNT DIE VEREINSTEAMS AUS DEN SCHULTURNIEREN!
Typische Gegenargumente:
1. „Zu sehen, wie gut Vereinsspieler sind, motiviert die
Kinder, auch in einen Verein zu gehen.“
- Das häufigste Argument, das man so zu hören bekommt – und völlig
realitätsfremd und schwachsinnig. In all den Jahren, nach all den Klatschen
gegen Teams mit Vereinsblock, habe ich noch nicht ein einziges Mal erlebt, dass
eins meiner Mädchen gesagt hat „Die waren so gut, jetzt will ich auch in einen
Verein!“ Im Gegenteil, solche Spiele sind der größte Motivationskiller, den ich
kenne. Nach so einer Packung bleiben meine Spielerinnen zuverlässig mit zwei
Eindrücken zurück: „Vereinsspielerinnen sind gemein und arrogant“ und „Ich bin
so schlecht, da kann ich eh nicht mithalten“. Es ist nicht überraschend, dass
noch nie - noch nicht ein einziges Mal - eines meiner Mädchen in einen Verein
eingetreten ist, gegen den – egal ob offiziell oder als Schulmannschaft getarnt
– wir vorher gespielt haben. Die meisten Vereinsübergänge hatte ich nach einem
Jahr, in dem wir etwas Glück mit den Ansetzungen hatten, Vereinsblockteams weitestgehend
aus dem Weg gegangen sind und halbwegs erfolgreich waren. Die Mädchen verließen
die AG mit dem Gefühl „Das hat Spaß gemacht, und ich war auch ganz gut – davon will
ich mehr“. Ein Gefühl, das es sicher öfter gäbe, wenn Vereinsblocks von den
Schulturnieren ausgeschlossen wären.
2. „Soll man die Kinder etwa dafür bestrafen, dass sie in
einen Verein gehen?“
-Ich würde es anders ausdrücken, aber wenn man es so formulieren
will: Ja, sollte man! Wettkämpfe werden nach Leistungsstufen getrennt, damit
sie Sinn machen, das ist überall so. Ein Team, das so bei Vereinsturnieren
antritt, sollte für Schulturniere wegen des Leistungsunterschieds gesperrt sein
– genauso, wie Ältere auch nicht teilnehmen dürfen. Oder Jungs für
Mädchenturniere gesperrt sind. Niemand käme auf die Idee, sich zu beklagen,
dass die (fast) erwachsenen Spielerinnen meines Ehemaligenteams nicht an den
Grundschulwettkämpfen teilnehmen dürfen – dabei werden sie ungerechterweise
dafür bestraft, dass sie früher geboren wurden… Für Spieler mit Vereinserfahrung
und -ausbildung gibt es Vereinswettkämpfe. In den Schulwettkämpfen haben sie
nichts zu suchen.
Was also tun?
Das ist das größte Problem. Ich weiß es nicht. Vereinsspieler
haben nun mal nicht „Spielt bei xyz“ auf die Stirn gedruckt. Ich habe erlebt,
dass bei Mädchenturnieren Jungs als Mädchen ausgegeben und eingesetzt wurden;
ein befreundeter Trainer, den ich sonst sehr schätze, gewinnt Jahr für Jahr die
„Integration durch Sport“-Turniere, die sich ausdrücklich an Nicht-Vereinsspielerinnen
richten, mit seiner verkappten Vereinstruppe – sich fair an die Regeln zu
halten, ist also nicht für alle eine Option. Ich bin überzeugt, dass sich eine
Regel „Vereinsspieler dürfen nicht (oder: nicht als Block aus einem Verein)
teilnehmen“ schlicht nicht durchsetzen ließe. Wer eine Idee hat, wie dieses
Problem zu lösen ist: Immer her damit – es ist an der Zeit, den Schulfußball
den Schulfußballern zurückzugeben!