Sonntag, 23. September 2018

Verbannt die Vereinsteams aus den Schulfußballturnieren!


Es gibt ein großes Problem bei Schulfußballturnieren (und, wie man hört, auch bei anderen Schulwettkämpfen in Teamsportarten): Am Ende machen die Schulen den Sieger unter sich aus, die auf einen Spielerblock aus einem Verein zurückgreifen können.

Das gibt es jedes Mal. Klar, manche Schulen teilen das Einzugsgebiet mit einem Verein.

Das Problem: Die Fußballarbeit an der Schule wird dadurch komplett entwertet.

Man nehme meine Mädchenfußball AG als Beispiel.

Wir existieren in einem fast vereinsfreien Raum. In den jetzt bald acht Jahren, die ich den Job mache, konnte ich nur drei Vereinsspielerinnen einsetzen. Dafür kann niemand etwas, es ist reiner Zufall – in der näheren Umgebung unserer Schule lockt ein Feldhockeyverein, die Fußballvereine sind bei uns einfach nicht präsent. Unter den Jungen gibt es zwar ein paar mehr Vereinsspieler, aber einen Block aus ein und demselben Verein haben wir auch bei ihnen noch nie gehabt.

Aber meine Mädchen sind motiviert, gut und zahlreich. Und mein Training ist nicht soooo schlecht – bilde ich mir zumindest ein. In den meisten Schuljahren sind wir Teams, die wie wir ohne Vereinsspieler oder nur mit einigen wenigen antreten müssen, eher überlegen und schneiden gegen sie ganz gut ab. Das ist der verdiente Lohn für die Zuverlässigkeit und das Engagement meiner Mädels, und für die Mühe, die ich mir mit ihnen mache – da wir an jedem möglichen Wettkampf teilnehmen und auch noch stets auf der Suche nach Freundschaftsspielen sind, haben meine Mädchen auch wesentlich mehr Spielerfahrung als andere reine Schulteams.

Leider zahlt sich das bei den großen Schulturnieren nicht aus. Stattdessen bekommen wir jedesmal auf die Mütze, sobald ein als Schulteam getarntes Vereinsteam auftaucht – oft genug schon in der ersten Runde. So geht es auch allen anderen „echten“ Schulteams.

Den Kindern, die nicht in einem Verein spielen, wird so die Chance genommen, sich zu präsentieren, Erfahrung und Selbstbewusstsein zu sammeln, zu Gunsten von Kindern, die dazu im Verein genug Gelegenheit bekommen. Besonders motivierend ist es natürlich auch nicht, ständig chancenlos zu sein.

 Dabei ist es das erklärte Ziel der Schulwettkämpfe, zum Sport zu motivieren und Kindern Gelegenheit zu geben, sich auszuprobieren. Dieses Ziel wird von den Vereinsteams unterminiert.

Und nicht mal die Vereinsspieler profitieren wirklich davon. Es ist keine Herausforderung, Schulteams wegzuputzen. Der Lernzuwachs hält sich in starken Grenzen, wenn man sich nicht mal auf neue Mitspieler einstellen muss, geschweige denn, halbwegs gleichwertigen Gegnern gegenübersteht. Und die Spielerfahrung aus den paar Schulturnieren spielen für jemanden, der jedes Wochenende ein Ligaspiel hat, auch keine große Rolle.

Teams mit Vereinsblocks machen aus den Schulturnieren, die so wichtig und wertvoll sein könnten, nahezu überflüssige Witzveranstaltungen.

Also: VERBANNT DIE VEREINSTEAMS AUS DEN SCHULTURNIEREN!



Typische Gegenargumente:

1. „Zu sehen, wie gut Vereinsspieler sind, motiviert die Kinder, auch in einen Verein zu gehen.“

- Das häufigste Argument, das man so zu hören bekommt – und völlig realitätsfremd und schwachsinnig. In all den Jahren, nach all den Klatschen gegen Teams mit Vereinsblock, habe ich noch nicht ein einziges Mal erlebt, dass eins meiner Mädchen gesagt hat „Die waren so gut, jetzt will ich auch in einen Verein!“ Im Gegenteil, solche Spiele sind der größte Motivationskiller, den ich kenne. Nach so einer Packung bleiben meine Spielerinnen zuverlässig mit zwei Eindrücken zurück: „Vereinsspielerinnen sind gemein und arrogant“ und „Ich bin so schlecht, da kann ich eh nicht mithalten“. Es ist nicht überraschend, dass noch nie - noch nicht ein einziges Mal - eines meiner Mädchen in einen Verein eingetreten ist, gegen den – egal ob offiziell oder als Schulmannschaft getarnt – wir vorher gespielt haben. Die meisten Vereinsübergänge hatte ich nach einem Jahr, in dem wir etwas Glück mit den Ansetzungen hatten, Vereinsblockteams weitestgehend aus dem Weg gegangen sind und halbwegs erfolgreich waren. Die Mädchen verließen die AG mit dem Gefühl „Das hat Spaß gemacht, und ich war auch ganz gut – davon will ich mehr“. Ein Gefühl, das es sicher öfter gäbe, wenn Vereinsblocks von den Schulturnieren ausgeschlossen wären.

2. „Soll man die Kinder etwa dafür bestrafen, dass sie in einen Verein gehen?“

-Ich würde es anders ausdrücken, aber wenn man es so formulieren will: Ja, sollte man! Wettkämpfe werden nach Leistungsstufen getrennt, damit sie Sinn machen, das ist überall so. Ein Team, das so bei Vereinsturnieren antritt, sollte für Schulturniere wegen des Leistungsunterschieds gesperrt sein – genauso, wie Ältere auch nicht teilnehmen dürfen. Oder Jungs für Mädchenturniere gesperrt sind. Niemand käme auf die Idee, sich zu beklagen, dass die (fast) erwachsenen Spielerinnen meines Ehemaligenteams nicht an den Grundschulwettkämpfen teilnehmen dürfen – dabei werden sie ungerechterweise dafür bestraft, dass sie früher geboren wurden… Für Spieler mit Vereinserfahrung und -ausbildung gibt es Vereinswettkämpfe. In den Schulwettkämpfen haben sie nichts zu suchen.

Was also tun?

Das ist das größte Problem. Ich weiß es nicht. Vereinsspieler haben nun mal nicht „Spielt bei xyz“ auf die Stirn gedruckt. Ich habe erlebt, dass bei Mädchenturnieren Jungs als Mädchen ausgegeben und eingesetzt wurden; ein befreundeter Trainer, den ich sonst sehr schätze, gewinnt Jahr für Jahr die „Integration durch Sport“-Turniere, die sich ausdrücklich an Nicht-Vereinsspielerinnen richten, mit seiner verkappten Vereinstruppe – sich fair an die Regeln zu halten, ist also nicht für alle eine Option. Ich bin überzeugt, dass sich eine Regel „Vereinsspieler dürfen nicht (oder: nicht als Block aus einem Verein) teilnehmen“ schlicht nicht durchsetzen ließe. Wer eine Idee hat, wie dieses Problem zu lösen ist: Immer her damit – es ist an der Zeit, den Schulfußball den Schulfußballern zurückzugeben!       

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