Montag, 2. Juli 2018

WM-Blog 13 - Das Achtelfinale beginnt!


30.06.18

Spiele des Tages: Frankreich – Argentinien 4:3

                                 Uruguay – Portugal 2:1



Heute beginnt das Achtelfinale. Unsere Tipprunde ist vorbei, da sie nur die Vorrunde umfasste (insgesamt haben wir 39 Punkte gesammelt, am Samstag gehen wir ins Pub und werden erfahren, wie wir damit abgeschnitten haben), aber werfen wir doch trotzdem mal einen Blick auf die Spiele und schauen, ob wir eine Voraussage treffen können.

Frankreich – Argentinien: Der größte Kracher gleich zum Auftakt. Weder die Franzosen noch die Argentinier überzeugten in der Gruppenphase voll, vor allem erstere deuteten aber großes Steigerungspotential an. Es könnte ein gutes Spiel werden, ich sehe Frankreich als Sieger.

Uruguay – Portugal: Uruguay geht mit einer perfekten Bilanz in diese Partie – drei Spiele, drei Siege, kein einziges Gegentor. Portugal tat sich gegen die Außenseiter in seiner Gruppe schwer, brannte aber gegen Spanien ein echtes Feuerwerk ab. Es wird wohl knapp, aber Portugal sollte sich durchsetzen – vielleicht erst im Elfmeterschießen.

Spanien – Russland: Das klarste Ungleichgewicht im Achtelfinale. Auch wenn die Spanier etwas blass und chaotisch wirkten, woran sicher der Trainerwechsel kurz vor dem Turnier seinen Anteil hat, sollten sie sich gegen den spielschwachen Gastgeber klar durchsetzen.

Kroatien – Dänemark: Viele schreiben Kroatien schon zum Geheimfavoriten, ja gar zum Favoriten auf die Finalteilnahme auf dieser Seite des Turnierbaums. Erstmal müssen sie aber die unterschätzten Dänen knacken, die zu großen Spielen in der Lage sind. Aufgrund des starken Mittelfelds und des Momentums sollten die Kroaten überlegen sein, aber es wird knapp – ich hoffe (und tippe daher) auf einen dänischen 1:0-Sieg.

Brasilien – Mexiko: Mann, hab ich Bock auf dieses Spiel! Da wird Feuer drin sein, Spielfreude, Technik, Tricks. Begeisterte Fans auf den Rängen. Es könnte eins der absoluten Highlights dieses Turniers werden. Die Brasilianer sind natürlich Favorit, aber Mexiko ist so etwas wie ihr Angstgegner und hat nicht umsonst Deutschland gleich einen Auftaktdämpfer verpasst. Ich tippe: Spektakulär, knapp, wahnsinnig – etwa ein 4:3 für Brasilien.

Belgien – Japan: Ein ähnliches Mismatch wie Spanien – Russland. Belgien überzeugte in der Vorrunde mit am meisten und wird die eher schwachen Japaner, die sich dank Fairplayregelung ins Achtelfinale mogelten, vermutlich auseinandernehmen. Ich tippe: Klarer Sieg Belgiens!

Schweden – Schweiz: Hat das Potential zur Schlaftablette, könnte das langweiligste Spiel der WM werden. Die Schweden werden sich mühevoll durchsetzen, 1:0.

Kolumbien – England: Ich habe ein bisschen Angst vor diesem Spiel. England ist Favorit und hätte das Weiterkommen verdient, aber die explosiven Kolumbianer wirkten vor allem im Spiel gegen Polen wie echte Siegertypen. Ob die jungen Engländer damit klarkommen? Ich hoffe auf Harry Kane und tippe 2:1 für England.

OH MANN! Die ersten beiden Achtelfinals sind rum, und Frankreich – Argentinien war ein Spektakel. Ich musste es leider alleine zu Hause sehen, Sven hatte keine Zeit, aber wir schrieben uns fassungslose SMS ob dieses unglaublichen Schauspiels. 1:0 Frankreich. 1:1, dann 2:1 für Argentinien. Frankreich dreht das Spiel erneut – 2:2, dann 3:2 für die Europäer. In die argentinischen Offensivbemühungen hinein noch das 4:2! Alles vorbei? Nein, Argentinien kämpft weiter, in der Schlussphase gelingt noch das 3:4 – es bleibt spannend bis zum Abpfiff! Vor dem Spiel war ich klar gegen Argentinien, hinterher hätte ich beiden das Weiterkommen gewünscht. Was. Für. Ein. Spiel.

Dagegen fiel die Abendpartie, zu der Sven dann doch rumkommt, etwas ab. 2:1 am Ende für die Uruguayer, die zwei tolle Tore schießen – sonst bietet das Spiel aber nicht allzu viel.

Messi und Ronaldo sind beide raus – wer hätte das kommen sehen?

Fußballirrtum des Tages: Es ist im Europapokal ein Vorteil, erst auswärts zu spielen (siehe Einzelpost)  

Fußballirrtümer 10 - Am schlechten Abschneiden Englands sind die vielen Ausländer in der Liga schuld


Turnier für Turnier scheidet die Fußballauswahl Englands früher aus als im à Mutterland des Fußballs erhofft und erwünscht (gerne im à Elfmeterschießen). Die zu Fußballexperten mutierten ehemaligen Bundesligaspieler im deutschen Fernsehen schieben dies stets auf die vielen Ausländer, die in der à Premier League spielen. Sie würden englischen Talenten im Wege stehen und verhindern, dass diese Spielerfahrung auf höchstem Level sammeln können.

 Klingt auf den ersten Blick logisch, ist aber völlig falsch. Tatsächlich stimmt an dem Satz „Für das schlechte Abschneiden der englischen Nationalmannschaft ist der hohe Ausländer-anteil in der Premier League verantwortlich“ außer Rechtschreibung und Grammatik wirklich gar nichts.

 Bereits die Prämisse ist falsch: England schneidet international nicht schlechter ab, als für ein Land mit seiner Einwohnerzahl, Vereinsdichte und so weiter zu erwarten wäre. Es sind die „Mutterland des Fußballs“-Sache und die starke Liga, die uns (und auch die Engländer selbst) immer blenden und mehr erwarten lassen, als realistisch drin ist.

 Auch die Annahme, viele ausländische Spieler seien ein Hindernis für die heimischen Ball-künstler ist so nicht wahr. Das belegt Jahr für Jahr die Aufstellung der englischen Mannschaft. Die Elf, die bei der WM 2010 so unrühmlich ausschied, bestand z.B. nahezu komplett aus Stammspielern von Premier League-Topmannschaften, darunter Weltstars wie Wayne Rooney, Steven Gerrard, Frank Lampard und John Terry – ein Bild, das sich fast bei jedem England-Spiel in jedem Turnier wiederholt. Das sieht nicht so aus, als gäbe es wegen der Ausländer in der englischen Liga ein Problem, exzellente heimische Spieler auszubilden.

Das Gegenteil ist der Fall: Die starken Ausländer fördern die Qualität der englischen Fußballer. Müsste die Liga statt mit starken Ausländern mit mittelmäßigen Engländern gefüllt werden, kämen die schließlich leichter an Stammplätze und müssten weniger hart an sich arbeiten. Auch die Spielerfahrung, die man in solch einer schwächeren Liga sammeln würde, wäre weniger wert.

 Interessanterweise behaupten übrigens die Fußballstatistiker Simon Kuper und Stefan Szymanski, dass englische Spieler sogar zuviel Einsatzzeiten in der Premier League erhalten. In solch einer starken Liga ist jedes Spiel ein Topspiel, das höchsten Einsatz erfordert. Die Premier League-Spieler müssen Spiel für Spiel Höchstleistungen abrufen. Wenn die Saison endet und die internationalen Turniere beginnen, sind sie erschöpft und oft auch verletzt – anders als die Spieler der Bundesliga oder der spanischen Primera Division, die viel mehr Ligaspiele gegen schwache Gegner haben und sich ihre Kräfte einteilen können. Daher empfehlen die Statistiker dem englischen Fußballverband, Spieler in diese Ligen zu exportieren. Bei Licht betrachtet sind nach dieser Logik irgendwie doch die starken aus-ländischen Spieler in England an den schwachen Auftritten der Nationalelf schuld – wenn auch anders, als der Stammtischexperte annimmt...



Quellen: Simon Kuper/ Stefan Szymanski: Soccernomics. New York 2010; Christian Eichler: Lexikon der Fußballmythen. München 2002

WM-Blog 12 - Der Zauber der Vorrunde


28.06.18

Spiele des Tages: Senegal – Kolumbien 1:2

                                 Japan – Polen 0:1

                                 England – Belgien 0:1

                                  Panama – Tunesien 1:2

Meine Tipps: Senegal – Kolumbien 2:2 (Punkte: 0)

                         Japan – Polen 1:2 (Punkte: 2)

                         England – Belgien 2:3 (Punkte: 2)

                         Panama – Tunesien 1:0 (Punkte: 0)

Gesamtpunktzahl: 39

Die Vorrunde ist beendet. Viele sagen in diesem Moment immer „Jetzt geht das Turnier erst richtig los!“ Ich sehe das anders. Für mich ist eine WM nach der Vorrunde gefühlt schon fast vorbei, hat unheimlich etwas von ihrem Interesse verloren. Die Vorrunde hat einen ganz besonderen Zauber, sie ist es, was die WM zum größten Fußballereignis der Welt macht. Denn was macht eine WM zu einer WM, was unterscheidet sie von anderen Fußballwettkämpfen?

Da ist zum einen die Exotik. Länder spielen sehen, von denen man nicht einen einzigen Spieler kennt (oder maximal den absoluten Superstar); Mannschaften, die sich über ein Anschlusstor bei hoffnungslosem Spielstand freuen, als hätten sie den Pokal gewonnen – weil es für sie das Größte ist, auf dieser Bühne gegen diese Gegner spielen zu dürfen. Diese Spiele, in denen der Kommentator magische Dinge sagt wie „In seiner Heimat ist er ein Superstar“ oder „Von diesem Moment wird er noch seinen Enkeln erzählen“ oder „Dies ist die erste Ecke/das erste Tor/der erste Punkt in der WM-Geschichte dieses Landes!“ ich rede natürlich von Teams wie Panama, Peru, Senegal oder auch Island. Teams, die allesamt nach der Vorrunde die Koffer packen müssen. Wie arm ist das Turnier doch ohne sie!

Zum anderen die besonderen Spielansetzungen. Drei oder vier Partien an einem Tag hintereinander. Man kann sich praktisch einen ganzen Tag lang Fußball ansehen! Da kann ein einzelnes Abendspiel nicht mithalten. Und dazu noch die Ansetzungszeiten. Ein Spiel um 14:00 kann ärgerlich sein, weil man es wegen der Arbeit verpasst. Es kann aber auch auf ganz besondere Weise wundervoll sein, wenn man nämlich doch einen Weg findet, es zu verfolgen. So ein dem Leben abgetrotztes Spiel ist ein ganz einmaliges Gefühl, ein kleiner Triumph, den einem ein Spiel zur besten Sendezeit niemals vermitteln kann. Das endet mit der Vorrunde, wenn es nur noch höchstens zwei Spiele pro Tag zu zuschauerfreundlichen Zeiten gibt.

Und drittens die besondere Leichtigkeit. In der Vorrunde ist vieles auf magische Weise locker und entspannt. Es wirkt dann wirklich wie ein Fußballfest. Dazu tragen natürlich die schon erwähnten Exoten bei, für die das Dabeisein wirklich alles ist und die nichts zu verlieren haben. Aber auch die Tatsache, dass für die Spitzenteams ein unglückliches Ergebnis noch korrigiert werden kann, dass es noch nicht um Alles geht, der volle Druck noch nicht da ist. Auch hier ist mit der Vorrunde leider Schluss – ab dem Achtelfinale spielen die Teams ernsthaft um den Turniersieg, und wer verliert, ist raus. Druck, Verbissenheit, Angst sind die Folge, Angespanntheit, bisweilen Verzweiflung und Trauer bei den Fans. Dagegen ist die Vorrunde, vor allem an den ersten zwei Spieltagen, eine Oase der Ruhe und des freudigen Miteinanders.

Nach dem Ende der Vorrunde fehlt dem Turnier also Einiges. Dazu kommt noch das Gefühl des nahenden Endes – deutlich mehr als die Hälfte aller Spiele sind vorbei, bald ist alles vorüber. Das Vorrundenende ist für mich immer mit einer gewissen Melancholie behaftet.

Zurück bleiben diesmal: Saudi-Arabien, Ägypten, Marokko, Iran, Australien, Peru, Island, Nigeria, Costa Rica, Serbien, Deutschland, Südkorea, Panama, Tunesien, Polen und der Senegal. Mögen wir viele von euch in vier Jahren wiedersehen! 

Fußballirrtum des Tages: England ist so schlecht, weil in der Liga so viele Ausländer spielen (siehe Einzelpost)  

Fußballirrtumer 9 - Das Wembleytor gilt als der größte Skandal der WM-Geschichte

Gerne liest man in deutschen WM-Rückblicken, nie habe es einen größeren Skandal, nie ein umstritteneres Tor als das berüchtigte "Wembleytor" gegeben - jenes 3:2 der Engländer im Finale 1966 gegen Deutschland, bei dem der Ball von der Latte auf die Torlinie sprang und niemand wusste, ob er drin war oder nicht. Schiedsrichter Dienst gab den Treffer, Deutschland verlor - und fühlt sich bis heute um den Sieg betrogen.
Aber ist das wirklich der größte Skandal der WM-Geschichte? Außerhalb Deutschlands spricht kaum jemand davon, den Begriff "Wembleytor" gibt es nur im Deutschen. Das klingt nicht gerade nach dem umstrittensten Tor aller Zeiten. Da bietet sich vielleicht auch eher Maradonas "Hand Gottes" von 1982 an...
Abschließend lässt sich natürlich nicht bewerten, welche Fehlentscheidung nun die skandalöseste bei einer WM war, aber ich möchte zwei Kriterien ins Rennen werfen, die für mich wichtig wären, um den Titel "Schlimmster WM-Skandal aller Zeiten" zu vergeben:

1. Die Entscheidung muss klar und offensichtlich falsch sein.
2. Sie muss das Spiel eindeutig entscheiden, am "besten" zu Ungunsten der besseren Mannschaft.

Beides liegt im Fall "Wembleytor" nicht vor. Bis heute ist nicht klar zu entscheiden, ob der Ball drin war oder nicht - dem Schiedsrichtergespann hier eine Parteilichkeit vorzuwerfen, ist lächerlich. Und die Engländer waren klar die bessere Mannschaft in diesem Finale - sie erzielten ja auch noch ein weiteres Tor.
Das langt nicht zum Jahrhundertskandal, und genau deshalb wird es außerhalb Deutschlands auch nirgendwo dafür gehalten...

Fußballirrtümer: Der Super Bowl hat mehr Zuschauer als jedes Fußballspiel

Der Super Bowl, das Finale der amerikanischen Football-Liga NFL, wird oft als das „größte Einzelsportereignis der Welt“ bezeichnet. Soll h...