Dienstag, 18. Dezember 2018

Deklinismus und wie ähnlich sich meine liebste und meine schlimmste Mannschaft waren (Denkfehler im Fußball 11)


"Mit dem Fußball geht es immer mehr bergab!"

"Ich wünschte, ich hätte meine alte Mannschaft wieder!"


- DEKLINISMUS

Der Weltfußball ist in einer schlimmen Lage. Allein die Vergabe der Weltmeisterschaften an die Quasi-Diktatur Russland und an das totalitäre, homophobe, fußballtraditionslose und auch noch geographisch völlig ungeeignete Katar zeigen doch, dass es nur noch um Geld und nicht mehr um Ideale geht, genauso wie die Erhöhung der Teilnehmerzahlen, die zu einem Qualitätsverfall führen
muss. Konservenmannschaften wie "RasenBallsport" Leipzig schießen wie Pilze aus dem Boden, die Spieler selbst werden immer abgehobener. Um noch zu verstehen, welche Verträge man eingehen muss, um alle Bundesligaspiele live zu sehen, braucht man einen Raketenwissenschaftler - und dessen Gehalt, um die Verträge dann auch alle zu bezahlen. Ständig werden neue Wettkämpfe, neue Regeln eingeführt oder zumindest vorgeschlagen - dabei war der Fußball doch gut, wie er immer war. Den Vogel schoss die neue Idee einer festen Superliga aus den Spitzenvereinen der verschiedenen europäischen Vereine ab. Es geht wirklich bergab mit dem guten alten Fußball, und man fängt an, sich in vergangene Zeiten zurückzusehnen.

Wenn ich einen Euro bekäme für jedes Mal, das mir jemand erzählt hat, mit diesem oder jenem oder der Welt ganz allgemein würde es immer schlimmer, dann würde es mir heute zumindest finanziell viel besser gehen.
Man nennt das den
Deklinismus (Hans Rosling, der sich in seinem Buch Factfulness ausführlich damit auseinandersetzt, benutzt stattdessen den Begriff "Instinkt der Negativität"), die Vorstellung, dass die Welt sich im langsamen Verfall befindet, alles immer schlechter wird und die Vergangenheit viel schöner war. Der Deklinismus ist ein massiver Denkfehler, enorm weit verbreitet, schwer zu bekämpfen und mit gefährlichen Folgen. In der Politik wirkt er sich enorm aus und führt ironischerweise zu tatsächlichen Verschlechterungen - den Brexit haben wir vor allem der falschen Vorstellung vieler Briten zu verdanken, in Zeiten vor der EU sei alles besser gewesen; auch die rechten Parteien Europas und der Welt haben der Idee, man müsse zu einem alten, besseren Zustand zurückkehren, viel zu verdanken. Religiöse Bewegungen setzen ebenso darauf, um Mitglieder zu requirieren und zu halten - die Zeugen Jehovas und andere Endzeitbewegungen sammeln mit Begeisterung vermeintliche Hinweise auf den Verfall der Welt, der das Jüngste Gericht ankündigt und behaupten, Kriege, Katastrophen, Hungersnöte und Seuchen sowie die allgemeine "Schlechtigkeit der Menschen" hätten in den letzten Jahren enorm zugenommen. Und sogar im "kleinen" Bereich gibt es üble Auswirkungen des Deklinismus. Das von Lehrern (und Jugendtrainern) gehasste Phänomen der "Helikoptereltern" hat eine wesentliche Ursache in dem Glauben, die Welt sei für Kinder heute viel gefährlicher als früher.
Dabei ist die Welt nachweislich besser als früher, und sie wird immer besser - so sehr, dass der
Spiegel eine monatliche Kolumne mit Dingen, die sich verbessern, füllen kann und diese mittlerweile sogar in Form zweier Bücher (Früher war alles schlechter und Früher war alles schlechter 2) veröffentlichen konnte. Positive Daten steigen an - heute leben mehr Menschen in einer Demokratie als je zuvor, mehr Menschen haben Zugang zu Trinkwasser als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt der Geschichte -, negative Daten sinken - es gibt heute viel weniger Analphabeten als jemals zuvor, Kinderarbeit ist massiv rückläufig. Manches ist auch mehr oder weniger gleichgeblieben - Vulkanausbrüche und Erdbeben treten mit derselben Häufigkeit auf wie in den meisten anderen Phasen der Weltgeschichte auch. Wirklich verschlechtern tut sich nur sehr wenig.
Die Zeugen Jehovas liegen falsch. Kriege nehmen nicht zu, sie nehmen ab. Wir leben in der friedlichsten Phase der Weltgeschichte, die Gefahr, im Krieg getötet zu werden, ist so gering wie noch nie. Naturkatastrophen bleiben, wie erwähnt, gleich häufig, kosten aber weniger Menschenleben als früher - was besseren Frühwarnsystemen und besserer Katastrophenhilfe zu verdanken ist. Hungersnöte werden viel seltener, insgesamt ist die Welt besser ernährt als je zuvor. Und Seuchen in Ausmaßen wie noch Anfang des 20. Jahrhunderts sind mittlerweile fast unvorstellbar. Die Pocken sind ausgestorben, die Pest an den äußersten Rand der Welt gedrängt, die Zahl der HIV-Infektionen sinkt kontinuierlich und die Chance, Krebs zu überleben, wächst stetig.

Woran liegt es, dass wir alle (auch im Leser meines Beitrags regt sich gerade, da bin ich sicher, ein "Aber...") so überzeugt von der Verschlechterung der Welt sind? Verantwortlich dafür sind im Wesentlichen drei Faktoren, die der in einem früheren Beitrag bereits erwähnten
Verfügbarkeitsheuristik nahestehen.
Da wäre zunächst die sogenannte
rosy retrospection, der rosige Rückblick. Es fällt uns leichter, Dinge in Erinnerung zu behalten, wenn sie vereinfacht und übertrieben einseitig abgespeichert werden. Das Gehirn neigt dabei dazu, ins Positive zu vereinfachen, so dass uns unsere Vergangenheit viel einfacher und schöner erscheint als die Gegenwart. Das berühmteste Experiment zur rosy retrospection kann jeder auch selbst durchführen: Direkt nach einem Urlaub eine detaillierte Bewertung der Reise aufschreiben und wegschließen. Ein paar Jahre später noch einmal denselben Urlaub bewerten und dann vergleichen. Fast immer ist die zweite Bewertung wesentlich positiver. Besonders populär ist die rosy retrospection übrigens in der Weihnachtszeit. Hast du nicht auch den Eindruck, dass Weihnachten früher viel ruhiger, besinnlicher und... naja, weihnachtlicher war? Und dass du viel öfter weiße Weihnachten erlebt hast als heute? Aber deine Eltern hatten damals denselben Eindruck. Und deren Eltern auch. Und zumindest, was die weißen Weihnachten betrifft, lässt sich statistisch und historisch klar nachweisen: Deren Häufigkeit hat sich in den letzten 150 Jahren in Deutschland nicht geändert.
Ein zweiter Faktor ist die Informationsverfügbarkeit. Heute erfahren wir über die Massenmedien viel schneller viel mehr über das, was auf der Welt vorgeht, und natürlich konzentrieren sich die Medien auf schlechte Nachrichten. Kriege, Verbrechen, Katastrophen verkaufen sich besser. Neulich sah ich ein Video von einem Bus in China, der von einer Brücke in einen Fluss stürzte, wobei alle Insassen ums Leben kamen. Davon hätte ich vor 50 Jahren nie erfahren, aber jetzt weiß ich davon, habe ein schreckliches Bild von einem Busunglück mehr im Kopf - und überschätze daher das Risiko einer Fahrt mit dem Bus. Dieses Informationsmissverhältnis liegt auch den Ängsten der Helikoptereltern zugrunde. Sie sind der Überzeugung, dass heute viel mehr Kinder als früher entführt werden. Stimmt nicht, es sind weniger als früher (das gilt übrigens für fast alle Verbrechen). Aber: Vor 50 Jahren hat man schon von Entführungen in einem anderen Bundesland nicht viel mitbekommen. Heute kann eine Entführung am anderen Ende der Welt wochenlang die Schlagzeilen beherrschen und bei allen Eltern einen tiefen Eindruck hinterlassen. Helikoptereltern glauben auch, dass heute so viele Raser unterwegs sind, dass eine besondere Gefahr im Straßenverkehr herrscht. Wieder falsch. Die Zahl der Verkehrsopfer (sowohl toter als auch verletzter) hat drastisch abgenommen. Aber auch hier
hört man heute mehr Geschichten, die Bilder sind präsenter. Und deshalb wird die Wahrscheinlichkeit überschätzt.
Und drittens fällt es uns schwer, immer noch schlimme Dinge dennoch als eine Verbesserung zu betrachten - ja, wir neigen sogar dazu, eine positive Sicht auf solche Dinge als geschmacklos zu betrachten. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Kindersterblichkeit, die Jahr für Jahr rapide abnimmt. 2016 sind fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren gestorben. Jeder einzelne Fall ist eine entsetzliche Tragödie, individuell lässt sich keiner davon irgendwie schönreden. Trotzdem sollte man das Positive nicht aus den Augen verlieren: 1990 waren es noch elf Millionen. Individuell ein schwacher Trost, aber 2016 hat die Welt es geschafft, sechs Millionen Kinder weniger zu verlieren. Und von den Zeiten, als man sich auch in Westeuropa viele Kinder zulegte in dem Bewusstsein, dass einige davon früh sterben würden, sind wir ohnehin weit entfernt. Die Welt ist in dieser Hinsicht nicht perfekt geworden - aber besser.

Und wie ist es jetzt mit den Fußballbeispielen vom Anfang? In den meisten Fällen hat sich in Wirklichkeit nicht viel verändert. 1934 fand die WM im faschistischen Italien statt, 1978 in einem Argentinien, in dem eine Militärjunta diktatorisch herrschte und Kritiker "verschwinden ließ". Das ist sicher nicht besser als Russland oder Katar. Die Teilnehmerzahlen der Turniere wurden immer wieder erhöht (an der ersten WM nahmen noch 13 Länder teil), was immer von der Kritik der Qualitätsverwässerung begleitet wurde. Mannschaften, die in erster Linie Werbeträger waren, Namen, Wappen und Farben einer Firma trugen, gab es schon immer. Bayer Leverkusen, Bayer Uerdingen, Carl Zeiss Jena wären offensichtliche Beispiele - die gelten mittlerweile als Traditionsvereine. Abgehobene oder anderweitig negativ auffällige Spieler hat es auch immer gegeben - so wie Diego Maradona oder Paul Gascoigne dürfte sich heute kein Profi mehr benehmen. Dass es zumindest die
Möglichkeit gibt, alle Bundesligaspiele live im Fernsehen zu sehen, ist eine Verbesserung gegenüber Jahrzehnten, in denen das nicht möglich war; es wäre zwar schön, wenn es übersichtlicher und günstiger wäre, aber man kann eben nicht immer alles haben. Und merkwürdige, krumme Regeländerungen in der Hoffnung, den Sport attraktiver zu machen, sind so alt wie der Fußball selbst, beginnend mit der Änderung der Abseitsregel im Jahre 1866 - bis dahin war es nicht erlaubt, einen Pass überhaupt nach vorne zu spielen. Seither gab es so regelmäßig Änderungen, dass die Phrase vom "Fußball, wie er immer war" gar keinen Sinn macht. Und die Einführung immer neuer Wettbewerbe? Gab es logischerweise auch schon immer. Die Pläne von einer Superliga sind im Übrigen so alt, dass in den ersten Gedankenspielen, an die ich mich erinnern kann, noch Bayer Leverkusen als einer der europäischen Top-Clubs eine Rolle spielte...
Klar gibt es immer wieder auch negative Entwicklungen. Aber wir sollten uns damit trösten, dass der Fußball als solcher viel besser geworden ist. Die statistischen Daten der Vizeweltmeister von 1966 was Passquote und -häufigkeit, Laufwerte, Athletik, Chancenverwertung, taktische Variabilität und so weiter betrifft, entsprechen etwa denen, die heute ein durchschnittlicher Fünftligist aufweist.

Der Tipp für jeden (ob Trainer oder nicht) lautet natürlich: Hüte dich vor der Verklärung der Vergangenheit. Sonst geht es dir wie mir, meiner Mannschaft von 2013/2014 und all ihren bedauernswerten Nachfolgern.

Als der Kern der ersten Mädchenmannschaft, die ich voll unter meinen Fittichen hatte, die Schule verließ, war ich am Boden zerstört. So eine tolle Truppe, nett und lustig, zuverlässig, und gut gespielt hatten sie auch noch. Seitdem glorifiziere ich diese Mannschaft. Jedes neue Team muss sich dem Vergleich stellen, und jedes neue Team verliert. Wie oft habe ich mir die alte Mannschaft zurückgewünscht, habe sogar gedacht, dass ich fünf oder sechs der neuen Spielerinnen eintauschen würde, nur um meine alte Kapitänin Sophia Drosselmeier zurückzubekommen? Besonders schwer unter dem Vergleich zu leiden hatte natürlich die direkte Nachfolgermannschaft, die ich immer irgendwie als inadäquat angesehen habe.
Objektiv betrachtet war dagegen diese Nachfolgermannschaft, aus der das Team von 2015/2016 entstand, fußballerisch besser (es war unsere erfolgreichste Mannschaft, über die ich bereits im Artikel über den
Rückschaufehler geschrieben habe) und stand meinen alten Heldinnen auch in den anderen Bereichen in nichts nach. Nettigkeit und Lustigkeit? Eine nettere, lustigere Person als die Kapitänin von 2015/2016, Doreen van Bergen, habe ich nie getroffen. Zuverlässigkeit? Sara Demir nahm von 2014 bis 2016 an allen Wettkämpfen teil, machte insgesamt 99 Spiele für die Schule und fehlte auch im Training nie. Sophia Savoy sagte ihre eigene Geburtstagsfeier ab, um an einem Turnier teilzunehmen. Beides ist bei der alten Mannschaft nicht vorgekommen.
Aber der eigentliche Grund, warum ich diesen Artikel schreibe, ist, dass mir folgendes aufgefallen ist: All die Fehler, die es in meiner aktuellen Mannschaft gibt, über die ich mich andauernd ärgere, gab es in der glorreichen alten Truppe auch.
Die frühreife Helena, die nur noch Jungs im Kopf hat, das Training schwänzt, um mit den unreifen Jungs aus ihrer Klassenstufe abzuhängen und die mit ihren Geschichten die ganze Mannschaft aufmischt? In der alten Mannschaft gab es Aleyna, die ständig einen neuen Freund hatte, im Training anfing, mit Jungs zu telefonieren und sich einmal den Schwarm einer Mitspielerin angelte - was zu dramatischen Szenen inklusive Tränen und "Auf-dem-Klo-einschließen" direkt vor Trainingsbeginn führte. Da ist die eher naive Helena fast noch harmlos.
Sudel, die im letzten Jahr total zuverlässig war und jetzt plötzlich einfach nicht mehr kommt - ohne sich abzumelden, ohne mit mir zu sprechen, ohne erkennbaren Grund? Hat ihre Entsprechung in Emitia aus dem alten Team, die im Rahmen eines völlig rätselhaften Fußball-AG-Streiks ihrer Klasse (der sonst nur die Jungen-AG betraf) plötzlich aus meiner Mannschaft verschwand.
Die selbst zwar zuverlässige Mannschaftskapitänin Emilia, die sich aber überhaupt nicht durchsetzt und ihre Teamkolleginnen nie zur Ordnung rufen kann? Naja, ein bisschen war das auch das Problem bei Sophia Drosselmeier...
Und dass wir zwar in der Abwehr sicher stehen, aber nie Tore schießen? War bei der glorreichen Mannschaft genauso - bis eine Vereinsspielerin dazu kam (was diese Saison leider nicht in Aussicht steht).

Eins hat die glorreiche alte Mannschaft den Nachfolgerinnen tatsächlich voraus: Der Kern dieser Truppe war am gescheiterten Versuch beteiligt, die AG in einen Verein zu übertragen. Als ich mich im Verein Intrigen und übler Nachrede ausgesetzt sah, hielt dieser Kern der alten Mannschaft felsenfest zu mir (im Gegensatz zur einzigen beteiligten Vertreterin der Nachfolgermannschaft). Dafür werde ich sie immer lieben - und ich werde nie erfahren, wie sich die anderen Mannschaften in einer solchen Situation verhalten hätten, daher kann das auch niemand mehr aufholen.
Aber darüber hinaus zu behaupten, dass meine Spielerinnen von 2013/2014 in allem viel besser waren als ihre Nachfolgerinnen und dass seit ihrem Abgang immer alles nur schlechter geworden ist - das ist
rosy retrospection und Deklinismus.


Samstag, 15. Dezember 2018

Der Rückschaufehler und meine beste Mannschaft, an die ich schon immer geglaubt hatte - oder nicht? (Denkfehler im Fußball 10)


"Es musste ja so kommen, dass Deutschland in der Vorrunde ausscheidet!"

"Ich habe immer an meine Mädels geglaubt!"


- RÜCKSCHAUFEHLER

Als nach der blamablen 0:2-Niederlage gegen Südkorea das Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2018 feststand, tauchten viele Menschen auf, die es schon lange vorher geahnt hatten. Es war ja auch offensichtlich, zu viele Fehler waren im Vorfeld gemacht worden. Trainer Löw hatte zu sehr auf alte Spieler gesetzt, die völlig außer Form waren - schon nach der Nominierung, als der junge, spritzige Leroy Sané aussortiert und stattdessen der unbewegliche Mario Gomez in den Kader berufen wurde, war klar, dass das in die Hose gehen würde. Auch die Entscheidung für den lange verletzten Manuel Neuer im Tor, der den Vorzug vor einem Marc-André ter Stegen in Weltklasseform erhielt, sowie der Einsatz der durch die Erdogan-Affäre in Kritik geratenen Mesut Özil und Ilkay Gündogan provozierten die Katastrophe geradezu. Wenn man dann noch den offensichtlichen Qualitätsverfall der letzten Jahre berücksichtigte - schon bei der EM war klar zu sehen gewesen, dass die DFB-Elf nicht mehr so stark war wie 2014 -, dann war es ein Scheitern mit Ansage. Man fragte sich lediglich, warum Löw sehenden Auges ins Verderben gerannt war. Auch ich selbst ließ in den folgenden Tagen jeden wissen: "Ich hab es ja gesagt!"

Und damit war ich, wie viele andere Menschen, dem Rückschaufehler erlegen, sehr treffend auch bekannt als "Ich-hab-es-ja-gesagt"-Fehler (oder unter der englischen Bezeichnung hindsight bias). Denn in Wirklichkeit hatte praktisch niemand ein Vorrundenaus der deutschen Elf prophezeit. Eine Kicker-Umfrage ergab kurz vor der WM, dass nur 1,4% der Deutschen an ein Vorrundenaus glaubten - dem gegenüber 37,5%, die vom Weltmeistertitel ausgingen (der größte Anteil, 39,2%, erwartete ein Aus im Halbfinale). In allen der elf WM-Vorschaumagazine, die ich im Vorfeld des Turniers las, wurde Deutschland als Titelfavorit eingeordnet; in drei davon ausdrücklich als der mit Abstand wahrscheinlichste Titelträger. Auch die Zeitungen waren einhellig der Meinung, Deutschland sei ein absoluter Titelkandidat. Zwar sahen einige Experten Frankreich oder Brasilien vorne, aber jeweils nur leicht. Löw und Oliver Bierhoff (der das WM-Quartier unter dem Gesichtspunkt wählte, dass von dort aus der Austragungsort des Halbfinals und Finales leicht zu erreichen war) waren mit ihrer Selbstsicherheit also bei weitem nicht allein. Und ich? Ich hatte Deutschland zwar tatsächlich fern vom Titel gesehen (und sogar die Niederlage gegen Mexiko richtig getippt), aber das Aus in der Vorrunde hatte ich auch nicht vorhergesehen. In meinem Blog schrieb ich am 13. Juni, direkt vor WM-Beginn: "
Deutschland wird diesmal nicht weit kommen. Die Vorrunde schaffen sie aber natürlich – wenn auch mit einem Warnschuss vor den Bug nur als Zweite", am 24 Juni lieferte ich über den Stand der Vorrundengruppen folgendes nach: "Deutschland war wirklich unterirdisch. Richtig, richtig schlecht. Sie werden früh ausscheiden bei dieser WM. Aber wohl nicht in der Vorrunde. Das sind schlechte Neuigkeiten für die Schweden, denn Mexiko wird sich Platz 1 sichern. Mein Tipp: Mexiko Erster, Deutschland Zweiter."
Zum Glück brauche ich mir keine großen Vorwürfe machen - und alle anderen, die erst völlig falsch lagen und dann meinten, sie hätten es ja kommen sehen, auch nicht.
Der Rückschaufehler ist praktisch nicht zu bekämpfen. Jeder unterliegt ihm, auch alle, die darüber wissen. Ein Problem in der Funktion des Gehirns spielt eine Rolle dabei - erlangen wir neue Informationen zu einem Thema, ist es uns nicht mehr möglich, das Thema aus derselben Perspektive zu betrachten wie bevor wir diese zusätzlichen Informationen hatten. Anders ausgedrückt: Wir wissen nicht mehr, wie unmöglich etwas vorherzusehen war, nachdem es eingetroffen ist.
Das passiert im Kleinen ("Ich wusste doch von vornherein, dass diese Freundin nicht gut für dich ist"), aber auch im ganz Großen. Geschichtsbücher sind voll von Rückschaufehlern. Dass das Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajewo den ersten Weltkrieg auslösen würde, der dann die Grundlage für den zweiten Weltkrieg legte, scheint einer völlig stringenten Logik zu folgen, unvermeidbar gewesen zu sein. Damals wäre im Leben niemand auch nur auf so eine Idee gekommen.
Das Ganze klingt nach einer Kleinigkeit - dann reden wir uns halt unsere Einschätzung im Nachhinein schön, na und? Es ist aber tatsächlich gefährlich.
Zum einen werden oft Menschen zu Sündenböcken gemacht für Dinge, die niemand hätte vorhersehen können - weil alle in der Rückschau denken: "Das hätte er doch voraussehen müssen!" Insofern ist der Rückschaufehler sogar juristisch relevant.
Zum anderen führt die Selbsttäuschung, wir hätten die Situation ja letztes Mal auch richtig eingeschätzt, dazu, dass wir nicht besonders gut aus Fehlern lernen.
Man kann nur dazu raten, immer mal einen Blick in Einschätzungen zu werfen, die vor einem Endergebnis verfasst wurden. Auch, wenn es einen selbst betrifft. Führe Tagebuch! Meine eigene Angewohnheit, ständig über alles Mögliche zu schreiben, hat mir meine Rückschaufehler schon mehr als einmal vor Augen geführt.

Dass die Saison 2015/2016 für meine Mädchenmannschaft die beste aller Zeiten werden würde, war offensichtlich. Immerhin hatten wir Fanny Kronach in der Sturmspitze, eine überragende Spielerin. Nicht nur eine der wenigen Vereinsspielerinnen, die wir je in meiner Schulmannschaft gehabt hatten - sie spielte sogar Landesauswahl! Dann stand Leah Kürschner im Tor, ein spektakuläres Talent; in der Abwehr davor schaltete mit Sophia Savoy ebenfalls eine echte Bank, eine der besten Nichtvereinsspielerinnen, die wir je einsetzen konnten. Dazu kamen Sara Demir, die in den letzten zwei Jahren an jedem irgendwie möglichen Wettkampf teilgenommen hatte und somit für eine Schulfußballerin über eine enorme Spielerfahrung verfügte, und Doreen van Bergen, eine Powerspielerin mit grenzenloser Energie. Sollte Fanny im Sturm einmal ausfallen, stünde Sophia Poborsky Gewehr bei Fuß, eine Hockeyvereinsspielerin mit enormem Torriecher. Unterstützt wurde dieser Kern von dem größten Kader, den ich jemals hatte: Fast 30 Mädchen warteten auf ihre Einsatzchancen.
Natürlich kamen die Erfolge dann fast von selbst. Im Drumbo Cup überstanden wir die ersten zwei Runden und erreichten damit die Vorrunde des Landesfinales, bevor wir an Teams, die fast nur noch aus Auswahlspielerinnen bestanden, scheiterten. In der Feldrunde wurden wir Bezirksmeister. Wir belegten Platz 1 bei unserem selbst veranstalteten Turnier und beim Tag des Mädchenfußballs; beim Sparkassencup wurde eines unserer Teams Bezirksmeister und Landesvizemeister. Im extrem stark besetzten LIDL-Cup schaffte es unser Mädchenteam gegen lauter Jungenmannschaften immerhin, die Vorrunde zu überstehen. Und zum Saisonabschluss schlugen wir in einem Freundschaftsspiel die jahrgangsältere Mannschaft des lokalen Vereins mit der namhaftesten Jugendförderung. Nichts davon kam bei diesem Kader wirklich überraschend. Oder?
Ich erinnere mich immer gerne daran, dass unser Partnertrainer von SoccAthletix, der damals die Jungenmannschaft auf Wettkämpfe vorbereitete und nun wirklich viel Ahnung hat, im Vorfeld des Drumbo Cups auch ein paar Trainingseinheiten mit den Mädchen machte - und ihnen ein Debakel prognostizierte. Haha! Einmal hatte ich mehr Ahnung gehabt als unser professioneller Berater! Denn ich hatte schließlich immer an meine Mädels geglaubt. Dachte ich. Hatte ich aber nicht.
Wie gesagt, schreibe ich immer alles auf. Und ich hatte auch einen Vorschautext mit Prognosen für die Saison 15/16 geschrieben - in dem die Mädels alles andere als überragend wegkamen. Viele Schwachpunkte auf allen Positionen hatte ich erkannt; Leah Kürschner sei auf jeden Fall schwächer als ihre Vorgängerin Annie Röhlinger, die Abwehr unterbesetzt, das Mittelfeld zwar schnell und ausdauernd, aber schwach am Ball, Fanny Kronach nicht reif genug, die Mannschaft alleine zu tragen. Mein Fazit: Große Erfolge wären überraschend.
Hätte ich es nicht aufgeschrieben, ich hätte es hinterher nicht mehr geglaubt. Zu offensichtlich war, wie wunderbar bei diesem Team alles zusammenlief. Aber eben nur im Nachhinein. Ein klassischer Rückschaufehler.


Freitag, 14. Dezember 2018

Der Women-are-Wonderful-Effekt und mein tolles Mädchenteam voller Nervensägen (Denkfehler im Fußball 9)


"Frauenfußball ist eine heile Fußballwelt!"

"Meine Mädchen sind viel leichter zu handhaben als die Jungenmannschaft!"



- WOMEN-ARE-WONDERFUL-EFFEKT

In seinem vor der WM 2014 erschienenen Buch
Überleben beim Fußball fordert der Schriftsteller Oliver Uschmann seine Leser auf, sich eine viel bessere Fußballwelt vorzustellen. Blumig wird ein Fußball geschildert, bei dem es keine Kommerzialisierung und keine Fanausschreitungen gibt - aber auch keine Schwalben, keine brutalen Fouls. Bei dem immer "Spielfluss herrscht und Freude" und stets das Spiel im Vordergrund steht, es keinen "wütenden Ernst" und keinen übermäßigen Ehrgeiz gibt. Uschmann schließt das Kapitel mit der Feststellung: "Es gibt sie, diese Welt. Sie heißt: professioneller Frauenfußball."
Eine bemerkenswerte Ansicht.
Ich fragte mich schon beim ersten Lesen, ob Uschmann wohl die Frauen-WM 2011 verpasst hatte. Selten habe ich eine Mannschaft mit mehr "wütendem Ernst" und weniger Spielfreude zu Werke gehen sehen als die deutschen Frauen bei diesem Turnier. Außer vielleicht die Brasilianerinnen im selben Jahr. Das Viertelfinale zwischen Brasilien und den USA ist die komplette Antithese zu Uschmanns Vision. Anfangs von den Zuschauern favorisiert, spielten die Südamerikanerinnen derart unfair und unsympathisch, dass sie am Ende das ganze Stadion gegen sich hatten - was dieses auch mit Pfiffen und dem Werfen von kleinen Gegenständen kundtat. Dass es im Frauenfußball keine Schwalben und nur Spielfluss gibt, wusste Brasiliens Érika offenbar nicht, jedenfalls ließ sie sich bei Führung kurz vor Schluss plötzlich fallen, wälzte sich minutenlang am Boden, bis sie mit der Trage vom Platz geholt wurde - und sprang dann umgehend wieder auf, um zurück aufs Spielfeld zu sprinten. Dass der Frauenfußball laut Uschmann stilvoll ist, war Brasiliens Star Marta eindeutig unbekannt, sie schimpfte permanent auf die Schiedsrichterin (die nach Meinung der meisten Beobachter die Brasilianerinnen durchgängig bevorzugte) und giftete eine verletzte Gegenspielerin an. Den Elfmeter zur brasilianischen Führung (und einen Platzverweis für die Amerikanerinnen) holte sie mit einer klaren Schwalbe heraus, danach verlegten sich die Brasilianerinnen fast komplett auf Schwalben im Strafraum. Der späte Ausgleich der Amerikanerinnen und ihr Sieg im Elfmeterschießen waren eine Genugtuung, aber trotzdem kann man Frauenfußballfans wie Uschmann nur empfehlen, sich dieses Spiel anzusehen, um für immer von der Vorstellung der besseren Welt im Frauenfußball geheilt zu sein.
Obwohl es zahlreiche weitere Beispiele gäbe, ist die Ansicht, Frauenfußball sei irgendwie fairer, gesitteter, stilvoller, weit verbreitet. Da man sich als Fan des Frauenfußballs ja dauernd rechtfertigen muss, ist das auch ein Standardargument zu seinen Gunsten geworden - dabei ist es völliger Unsinn! Aber wie kommt es zu so einer falschen Wahrnehmung?

Man nennt das den
Women are Wonderful effect, den "Frauen-sind-wunderbar-Effekt". Obwohl schon 1994 beschrieben und umfangreich nachgewiesen, taucht er in den Standardwerken zu Denkfehlern selten auf (und hat nicht einmal einen deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag).
Die Psychologen Alice Eagly und Antonio Mldanic hatten zwischen 1989 und 1993 bei einer Studie versucht, den vermeintlichen Vorurteilen gegenüber Frauen auf den Grund zu gehen - und zu ihrem Erstaunen das Gegenteil entdeckt: Über die Geschlechter und sozialen Schichten hinweg werden Frauen als positiver wahrgenommen. Seitdem ist das in vielen weiteren Studien und Experimenten nachgewiesen worden. Frauen werden demnach automatisch mit positiven Eigenschaften (und sogar positiven Begriffen wie "Sonnenschein") verbunden, Männer mit negativen und aggressiven Eigenschaften. Extrem ist dieses Missverhältnis unter Frauen - anders ausgedrückt weisen Frauen einen extremen
In-Group bias auf (siehe Denkfehler im Fußball 4); Männern dagegen fehlt dieser - auch sie sehen Frauen positiver als Männer.
Das gleiche Verhalten wird einer Frau grundsätzlich positiver ausgelegt; als klassisches Beispiel dafür gilt die unterschiedliche Wahrnehmung von Untreue in Medien und Öffentlichkeit. Sowohl in Film und Fernsehen bei fiktiven Personen als auch in der Klatschpresse auf reale Personen bezogen ist die Tendenz erkennbar, einen Mann, der seine Partnerin betrügt, zum totalen Arschloch zu erklären, während eine fremdgehende Frau ihre guten Gründe hat - mindestens hat sich ihr Partner nicht ausreichend um ihre Bedürfnisse gekümmert.
Einige Studien legen nahe, dass der Effekt umso stärker ist, je mehr eine Frau traditionellen Rollenbildern folgt (d.h., die Hausfrau am Herd wird positiver gesehen als die Holzfällerin), aber insgesamt werden Frauen positiv stereotypisiert. Dazu gehören auch die Stereotypen, die auf den Frauenfußball angewandt werden: Vernunft, richtige Einstellung, Fairness, Freundlichkeit, Stil.

Einer der Gründe, warum ich nicht Lehrer werden kann, ist, dass ich Mädchen total bevorzuge. Ich wäre so ein klassischer "Mädchenlehrer", der die Jungs viel strenger bewertet. Obwohl ich das weiß, kann ich es nicht abstellen. Mädchen sind mir grundsätzlich sympathischer, mit ihnen zu arbeiten, macht mir mehr Spaß. Kein Wunder, dass meine Zeit als Trainer unserer großen Jungs schnell vorbei war und ich mich seitdem total auf die Mädchenmannschaft konzentriert habe. Okay, ich mache auch noch die "kleine" gemischte Mannschaft der Klassen 1 bis 3, aber auch da ist mein Hauptbestreben, Mädchen zum Mitmachen zu animieren und zu fördern.
Wenn man mich fragen würde, würde ich sofort behaupten, dass meine Mädchen insgesamt viel netter, verträglicher und leichter zu handhaben sind als unsere Jungenmannschaft. Dabei ist auch das nicht so einfach richtig.
Ich habe schon ein paar schwierige Charaktere in der Truppe. Helena ist eine Drama-Queen und ein frühreifes Früchtchen, dauernd am Intrigieren, Zicken und Unruhe in die Mannschaft bringen. Lilja ist ein totaler Besen, garstig, grob, unverschämt. Sandra ist ein Großmaul und mehr von sich überzeugt, als es angebracht ist. Valeska ist eine Heulboje, Charlotte ein Baby. Natasha ist dermaßen ehrgeizig, dass sie schon in Trainingsspielen total ausrastet und grob wird. Rebecca beschwert sich unablässig über angebliche Ungerechtigkeiten. Sie alle haben auch viele gute Seiten, so ist es ja nun auch nicht. Aber die rosige Ansicht, sie seien grundsätzlich viel einfacher und vernünftiger als die Jungs, ist objektiv kompletter Blödsinn.
Das zeigt sich auch schon bei den einfachen Basics. Gibt Frau Preben ihren Jungs eine Trainingsanweisung, legen die los. Gebe ich den Mädchen eine Trainingsanweisung, muss eine auf die Toilette, zwei müssen was trinken gehen, Charlotte hat inhaltlich nicht verstanden, was ich von ihr will und Helena hat nicht aufgepasst, weil sie gerade tratschen musste - womit sie auch noch Valeska und Natasha abgelenkt hat. Nur die vernünftige Emilia könnte sofort loslegen, aber so alleine vorlegen, das will sie dann auch lieber nicht. Über den Daumen gepeilt würde ich sagen, dass wir in einer unserer Trainingseinheiten etwa halb so viel schaffen wie Frau Preben mit ihren Jungs in der gleichen Zeit. Ob ich da wirklich den einfacheren Job habe?
Aber klar, es macht mir viel mehr Spaß als damals bei den Jungs. Und ich mag sie ja alle - meine Mädels sind schon einfach klasse!


Mittwoch, 12. Dezember 2018

Die Kontroll-Illusion, magisches Denken und die Sahneseite bei Hallenturnieren (Denkfehler im Fußball 8)

"Ich wusste, dass wir gewinnen - schließlich hatte ich meine Glücksunterhose an!"

"Wir spielen auf der linken Hallenseite besser als auf der rechten!"

- KONTROLLILLUSION/ MAGISCHES DENKEN

Bekanntermaßen beschäftigen afrikanische Vereine fast immer einen Hexenmeister, der ganz normal Teil des Teams hinter dem Team ist - wie bei uns der Platzwart, der Masseur, der Pressesprecher. Unzählige Geschichten über exotische Glücksrituale und wilde Flüche kursieren. 2011 musste der Rasen des WM-Stadions im südafrikanischen Polokwane teilweise durch Kunstrasen ersetzt werden - die Hexenmeister der örtlichen Vereine hatten ihn mit einer "magischen" Salzmischung ruiniert.
Auch nichtafrikanische Teams können betroffen sein: In den 1970ern engagierte das australische Nationalteam während eines Aufenthalts in Mosambik einen Hexendoktor, um das gegnerische Team zu verfluchen. Nach erfolgtem Fluch (und australischem Sieg) zahlten die Australier dem Hexer aber nicht das vereinbarte Honorar - und wurden selbst verflucht. Bei der WM 1974 schieden sie ohne Tor in der Vorrunde aus, danach gelang es ihnen nie wieder, sich für ein großes Turnier zu qualifizieren. 2004 reiste der australische Komiker John Safran nach Mosambik und bezahlte seinerseits einen Hexer, um den Fluch aufzuheben. Prompt qualifizierte sich Australien für die WM 2006 - und seither für jede folgende Weltmeisterschaft.
Es ist leicht, über so offensichtlichen Aberglauben zu lachen. Aber: Wer für den Sieg seines Teams betet, die Daumen drückt, seine Glückskutte anzieht - hängt er nicht im Prinzip dem selben Aberglauben an? Man denke an Jogi Löws blauen "Glückspulli" bei der WM 2010, oder Gerd Müllers Angewohnheit, zu große Schuhe zu tragen. Ist das rationaler?

Nein, natürlich nicht. Wer daran glaubt, unterliegt der sogenannten Kontrollillusion oder dem daraus folgenden Magischen Denken. Menschen neigen zu dem Trugschluss, zufällige, unkontrollierbare Vorgänge durch ihr Handeln beeinflussen zu können. Als klassisches Beispiel gilt die Angewohnheit vieler Menschen, Würfel sanfter oder stärker zu werfen, je nachdem, ob sie eine niedrige oder eine hohe Zahl erreichen wollen, aber tatsächlich begegnet man im Alltag permanent Beispielen. Wenn du jemandem "Viel Glück" wünschst, hat das keinerlei Auswirkungen darauf, ob derjenige wirklich Glück haben wird; auf der anderen Seite schädigst du aber auch niemanden, indem du Negatives über ihn denkst. Die Daumen zu drücken, vor sich hinzumurmeln "Bitte lass mich den Bus noch erwischen"... alles nutzlos. Genau wie all die Glücksbringer, Talismane, Hilfsrituale, magischen Edelsteine, die auf irgendeine magische Art Dinge beeinflussen sollen, mit denen sie eigentlich nichts zu tun haben. So sehr wir auch daran glauben - nichts davon hat einen Effekt. Gläubige jeder Art mögen es nicht gerne hören, aber auch Beten bringt erwiesenermaßen keine Resultate.
Es sei denn, als Placebo. Denn: Das Gefühl, in irgendeiner Form die Kontrolle über eine Situation zu haben, beruhigt uns, macht uns selbstbewusster, hilft uns, Dinge besser zu ertragen.
In jeder westlichen Großstadt gibt es an vielen oder allen Fußgängerampeln Knöpfe, die angeblich die Ampelschaltung beeinflussen. Die allermeisten dieser Knöpfe haben keine weitere Funktion, als eine kleine Lampe mit einer Aufschrift wie "Signal kommt" zum Leuchten zu bringen. Warum gibt es sie dann überhaupt? Weil die Leute an einer Ampel mit Placebo-Knopf nachweislich geduldiger warten. In Experimenten empfanden Menschen die gleiche Raumtemperatur als angenehmer, wenn sich im Raum auch ein falscher Temperaturregler befand.
Für Sportler ist der Aspekt des Selbstvertrauens bedeutsam. In Versuchsreihen mit Golfern zeigte sich, dass diese signifikant besser spielten, wenn ihnen ein Ball mit der Behauptung überreicht wurde, die vorherigen Spieler hätten mit diesem Ball besonders gute Ergebnisse erzielt, oder wenn sie einen persönlichen Glücksbringer neben das Loch setzen durften.
Die Kontrollillusion kann aber auch negative Wirkung haben. Das sehen wir bei vermeintlichen Flüchen, Unglücksbringern und schlechten Omen. Sie können das Selbstvertrauen schädigen und so zu schlechterer Leistung führen. Die bereits erwähnten Golfer spielten mit dem selben Ball unterdurchschnittlich schlecht, wenn ihnen erzählt wurde, die vorherigen Spieler hätten mit ihm eher schlecht abgeschnitten...

Bei einem Hallenfußballturnier ist es völlig egal, auf welcher Spielfeldseite man spielt. Im Freien können Faktoren wie der Stand der Sonne (blendet sie uns oder die Gegner?), die Windrichtung oder der Zustand des Rasens tatsächlich einen Einfluss auf das Spiel haben, weshalb selbst im Schulfußball oft mit zwei kurzen Halbzeiten und Seitenwechsel gespielt wird. Aber in der Halle sind all diese Faktoren ausgeschaltet.
Trotzdem sind meine Mädels in jedem Hallenturnier überzeugt, eine "Sahneseite" zu haben, und meistens wissen sie sehr schnell, welche das ist. Da sind sie übrigens nicht die Einzigen, manchmal bekomme ich zufällig mit, dass auch die gegnerischen Teams glauben, auf einer speziellen Seite besser zu spielen. Der Blick auf den Turnierplan, der verrät, auf welcher Seite man das nächste Spiel bestreitet, führt dann schon zum ersten Jubel oder zu entnervtem Stöhnen.
Der Glaube an die Sahneseite hat also tatsächlich Auswirkungen auf das Selbstvertrauen - und so auch oft auf das Spielergebnis. Ein schönes Beispiel lieferte unser nicht so erfolgreiches letztes Turnier, das ich im gestrigen Artikel bereits erwähnte.
Im ersten Spiel, das wir auf der von der Tribüne aus linken Seite spielen mussten, gelang meinen Mädels ein 0:0 gegen einen starken Gegner. Im zweiten Spiel spielten wir von der rechten Seite aus und verloren unglücklich 0:1 gegen einen eher schwachen Gegner.
Damit war die Sache für die Mädchen klar. "Auf der linken Seite spielen wir besser", verkündete unsere Drama-Queen Helena in ihrem üblich pathetischen Tonfall in der Pause vor dem nächsten Spiel. Sandra flitzte sofort zum ausgehängten Spielplan (obwohl ich unser Exemplar in der Hand hielt) und kehrte mit der Nachricht zurück, dass wir das nächste Spiel auf der linken Seite spielen würden. Jubel in der Kabine. Die Mädels erkämpften ein weiteres 0:0 gegen den Turnierfavoriten.
"Das nächste Spiel spielen wir auch auf unserer guten Seite", rief Valeska vom Spielplan am Halleneingang aus, als die anderen Mädchen schon auf dem Rückweg in die Kabine waren. Sie strahlte bis über beide Ohren, konnte unser Glück kaum fassen. Auch dieses Spiel endete nach starker Leistung immerhin mit einem 0:0 gegen einen weiteren stark eingeschätzten Gegner.
Dann aber die Enttäuschung: Das letzte Spiel, gegen unseren direkten Konkurrenten um den vorletzten Platz, würden wir von der rechten Seite aus spielen. Es kam, was kommen musste - die Mädels spielten unterirdisch und unterlagen einer eigentlich schwächeren Mannschaft mit 0:1.

Zu welchem Umgang mit der Kontrollillusion ist jetzt zu raten? Schwer zu sagen. Eigentlich müsste der Rat lauten: Verschwende keine Zeit mit Glücksbringern und -ritualen, treib deinen Spielern den Aberglauben aus und konzentriere dich auf das, was ihr wirklich beeinflussen könnt. Aber: Erstens ist Aberglauben schwer zu bekämpfen. Nur, weil du sagst, dass ein vermeintlicher Fluch wirkungslos ist, wird dir das noch lange nicht jeder Spieler glauben. Und vielleicht willst du ja auch gar nicht auf die positiven Effekte der Illusion verzichten? Hier musst du herausfinden, was für dein Team funktioniert - und was deine Truppe eher hemmt.

Die Verfügbarkeitsheuristik und meine Torjägerinnen, die fast nie trafen (Denkfehler im Fußball 7)



"Viele Ecken führen zu Toren!"

"Lena-Marie ist immer für ein Tor gut!"


- VERFÜGBARKEITSHEURISTIK

Schnell, antworte, ohne groß nachzudenken: Stimmt es, dass Mannschaften, die in Unterzahl geraten, besonders gefährlich sind?

Wahrscheinlich denkst du, wie viele Menschen, dass das so ist. Ist es aber nicht. In aller Regel verliert die Mannschaft, die in Unterzahl spielt - das berühmte Aufbäumen, der gesteigerte Kampfgeist ist die absolute Ausnahme.
Aber es stimmt doch, dass Ecken für enorme Torgefahr sorgen? Bei Umfragen schätzten viele Menschen - auch Fußballexperten -, dass etwa jede zweite Ecke zum Tor führt; in manchen Stadien werden Ecken im Voraus gefeiert, als sei bereits ein Tor gefallen. Tatsächlich führt nur rund jede fünfzigste Ecke zu einem Tor; insgesamt um die 8% aller Tore entstehen aus Ecken. Das ist schon fast vernachlässigbar.
Würdest du zustimmen, dass im Fußball immer mehr Tore nach spektakulären Soloaktionen exzellenter Einzelspieler fallen? Wenn du jetzt aufgepasst hast - wahrscheinlich nicht. Aber viele Fußballfans glauben das - dabei gehen weniger als 3% aller Tore auf z.B. lange Sololäufe zurück.
Es stimmt nicht, dass Standardsituationen heutzutage von besonderer Wichtigkeit sind, und auch nicht, dass viele Torsituationen von Doppelpässen eingeleitet werden.
Auch Gesamteindrücke, bei denen sich viele Menschen ganz sicher sind, stimmen nicht. Spaß schlägt Geld? Fast nie. Der Pokal hat seine eigenen Gesetze? Nein, im DFB-Pokal ist die Wahrscheinlichkeit einer Überraschung statistisch kleiner als in der Bundesliga. Die DFB-Elf spielte bei der WM 2014 die Gegner mit Zauberfußball an die Wand? Nein, sie mühte sich durch ein hartes Turnier, siegte in sieben Spielen nur zweimal deutlich, aber viermal mit nur einem Tor Vorsprung (davon zweimal erst nach Verlängerung) und spielte einmal Unentschieden.

Wenn du das alles ganz anders gedacht hättest, mach dir keine Vorwürfe: Wie gesagt, geht das fast jedem so. Schuld ist die Verfügbarkeitsheuristik, ein Denkschema, durch das wir Wahrscheinlichkeiten völlig falsch einschätzen. Kurz gesagt funktioniert das Ganze so, dass wir für unsere Einschätzungen unsere Erinnerung zu Rate ziehen. Wenn uns zu einem Szenario mehr Beispiele aus persönlicher Erfahrung oder Medienberichten einfallen als zu einem anderen, überschätzen wir seine Wahrscheinlichkeit.
Das ist der Grund, warum die Gefahr eines Flugzeugabsturzes oder eines Terroranschlags von fast jedem viel höher veranschlagt wird, als sie ist - das sind spektakuläre Ereignisse, an die wir uns erinnern, die uns sofort präsent sind. Die Verfügbarkeitsheuristik sorgt übrigens auch dafür, dass jeder seinen Anteil an der Hausarbeit überschätzt - schließlich erinnert man sich nur daran, wann man selbst den Müll rausgebracht hat.
Und sie verursacht auch alle obigen Fußballirrtümer. Wir erinnern uns an die Spiele, in denen eine Mannschaft in Unterzahl den Sieg erkämpfte, nicht an die, in denen sie wie zu erwarten verloren hat. Erfolglose Ecken verblassen sofort, Ecken, die zu Toren führten, bleiben dagegen im Kopf. Genauso verhält es sich mit anderen Standardsituationen und mit Doppelpässen. Jeder erinnert sich sofort daran, wie Vestenbergsgreuth den FC Bayern ausschaltete - aber nicht mit der gleichen Intensität an all die Male, die der große FC Bayern ein unterklassiges Team aus dem Pokal warf.
Und wer an den Auftritt der deutschen Mannschaft in Brasilien zurückdenkt, hat zuerst das Schützenfest gegen den Gastgeber vor Augen und erinnert sich nicht an das glückliche 2:2 gegen Ghana oder das mühsame 1:0 gegen die USA.

Ich war mir immer sicher, dass Lena-Marie Schneider eine besonders gefährliche Stürmerin war. Wenn ich ihren Namen höre, fällt mir als erstes ihr Tor bei ihrem allerersten Spiel ein. Damit wurde sie nicht nur Mitglied in unserem sehr exklusiven "Erstes-Tor-im-ersten-Spiel"-Club, sie trug sich auch als jüngste Torschützin der Teamgeschichte in unsere Rekordlisten ein. Eine zweite Szene, die mir sofort in den Sinn kommt, ist ihr Tor gegen die Mühlenau-Schule bei der Feldrunde. Nachdem wir früh in Rückstand geraten und dann fast das ganze Spiel verzweifelt gegen die massive Abwehr angerannt waren, fand Lena-Marie kurz vor Schluss doch noch die Lücke und rettete uns den Punkt.
Auch Giuliana Montenari, deren AG-Zeit jetzt schon eine ganze Weile zurückliegt, habe ich als extrem torgefährlich in Erinnerung - eine echte Knipserin. Ich werde nie vergessen, wie ich sie beim Stand von 1:2 gegen unseren Angstgegner, die Ina-Seidel-Schule, einwechselte und sie das Spiel mit einem Doppelpack innerhalb von 30 Sekunden drehte.
Aber ich führe auch eine genaue Statistik über alle Einsätze, Tore, Ergebnisse. Und als ich mit deren Hilfe kürzlich eine Liste der besten Torjägerinnen aller Zeiten erstellte, war ich überrascht: Giuli hat in ihren 21 Spielen für die Schule gerade einmal fünf Treffer erzielt; bei Lena-Marie sind es sogar nur vier Tore in 28 Spielen. Das sind keine ganz katastrophalen Werte, aber eben auch nicht die von Spitzentorjägerinnen - vor allem, wenn man bedenkt, dass die beiden stets als Sturmspitze spielten. Ich habe mich von der sehr präsenten Erinnerung an die Tore täuschen lassen.
Immerhin, der Irrtum fiel zu Gunsten der beiden aus. Andersherum lief es bei Cassandra Cloppenburg, die nicht nur mir, sondern auch vielen ihrer Teamkolleginnen in Erinnerung blieb als "die, die andauernd Eigentore geschossen hat". Dabei waren es nur zwei Eigentore in immerhin 25 Spielen - keine Katastrophe. Aber man erinnert sich halt dran.

Mach es wie ich und führ Statistik, wenn du wenigstens halbwegs den Überblick behalten willst. Und wenn du eine Wahrscheinlichkeit einschätzen sollst, denk immer an die Beispiele, die nicht in Erinnerung bleiben. Sonst läufst du Gefahr, einen Chancentod, der einen einzigen spektakulären Treffer auf dem Konto hat, als zentralen Stürmer einzusetzen...


Dienstag, 11. Dezember 2018

Der Framing-Effekt und drei ganz unterschiedliche Turniere (Denkfehler im Fußball 6)


"Wir sind eine Mannschaft im Umbruch, die Erfahrungen sammelt!"

-FRAMING-EFFEKT


Raheem Sterling von Manchester City beklagte sich kürzlich über die Berichterstattung der englischen Medien. Seiner Meinung nach würden sie Rassismus schüren, und er nannte auch ein konkretes Beispiel. Kurz zuvor hatte sich ein Szenario in der Nachwuchsmannschaft von City doppelt zugetragen: Zwei Nachwuchsspieler, beide noch ohne Startelfeinsatz im Profiteam, hatten ihren jeweiligen Müttern Villen für den Preis von jeweils rund zwei Millionen Pfund gekauft. Beide Male hatte die
Daily Mail darüber berichtet. Der weiße Phil Foden jedoch hatte eine sachliche Überschrift bekommen, sinngemäß "Nachwuchsspieler kauft neues Haus für seine Mutter", während bei dem farbigen Tosun Adarabioyo das Verschwenderische dieses Einkaufs und die Tatsache, dass er noch kein volles Spiel für die erste Mannschaft bestritten hatte, hervorgehoben wurden, sinngemäß "Nachwuchsspieler haut über 2 Millionen Pfund für eine Villa raus, obwohl er noch nie ein Premier League-Spiel von Anfang an gespielt hat".
Ob das nun eine grundsätzlich rassistische Tendenz der
Daily Mail belegt, sei dahingestellt. Auf jeden Fall ist es ein wunderbares Beispiel für Framing ("Einrahmen"). Die gleiche Nachricht wird unterschiedlich verpackt, um unterschiedliche Reaktionen hervorzurufen. Das funktioniert, weil sich das menschliche Gehirn schwer damit tut, aus einer positiv formulierten, einer neutral formulierten und einer negativ formulierten Darstellung zu entnehmen, dass es sich um exakt die gleiche Information handelt. Diesen Effekt kann man auch in den Interviews und Presseberichten nach jedem Spiel beobachten. Real Madrid müht sich in der Champions League zum 1:0-Sieg gegen einen krassen Außenseiter; zeitgleich legt Bayern München einen hochverdienten 1:0-Arbeitssieg gegen einen unangenehmen Gegner, der nichts zu verlieren hatte, hin. Real nicht in Form, Bayern mit der richtigen Einstellung, um Champions League-Sieger zu werden? Nein. Es ist zweimal praktisch genau das Gleiche passiert. Trainer und Spieler, die "gute Ansätze gesehen" haben wollen oder darauf verweisen, dass hier "eine Mannschaft im Umbruch Erfahrungen sammelt" beziehen sich auf dieselbe Niederlage, bei der die Presse eine "planlose Mannschaft" hoffnungslos hat untergehen sehen. Nach dem Ausscheiden der englischen Nationalelf bei der WM 2006 titelte eine deutsche Boulevardzeitung mit Bildern weinender englischer Spieler und der sinngemäßen Überschrift "Heulen hilft jetzt auch nicht mehr: FLENN-Land fährt nach Hause!" - und stellte damit Spieler, die über das Ausscheiden weinten, als Heulsusen dar. Als dieselbe Zeitung wenige Tage später mit Bildern deutscher Spieler, die über das Aus weinten, titeln musste, hieß es plötzlich "Hier weinen unsere Helden: Kopf hoch, Jungs!" - aus weinenden Spielern waren abgekämpfte Helden geworden, die ob des harten Schicksals männliche Tränen vergossen.
Auch außerhalb des Sportbereichs und der Medien treffen wir immer wieder auf Framing - in der Werbung natürlich. Aber auch bei allen Leuten, die bei uns eine Verhaltensänderung in irgendeiner Form erwirken wollen. Sollen wir etwas tun, werden uns die Vorteile und der geringe Aufwand geschildert ("Regelmäßiger Sport ist aus folgenden Gründen gesund: […]. Und die Zeit, ein paar Runden durch den Park zu laufen, hat jeder."). Sollen wir mit etwas aufhören, sind es die Nachteile und der hohe Aufwand ("Rauchen ist aus folgenden Gründen ungesund: […]. Und dann die Kosten!"). Wie stark sich Menschen wirklich vom Framing beeinflussen lassen, ist umstritten; sicher ist aber, dass es Auswirkungen
hat - und im Alltag praktisch permanent stattfindet.

Meine Mädels und ich haben kürzlich drei Turniere bestritten.

Das erste war ein Debakel. Wir haben mal wieder nicht ein einziges Tor geschossen. Drei müde Nullnummern, zwei Niederlagen bei fünf Spielen, die Offensive völlig wirkungslos. Nicht mal Tor
schüsse kamen zustande. Und dann unsere Nachwuchskeeperin Damla! Kriegt vier Bälle aufs Tor, und zwei sind drin! Letzter Platz, und das, obwohl zwei der gegnerischen Teams kaum in der Lage waren, mit Ball geradeaus zu laufen. Es ist wirklich frustrierend.

Das zweite Turnier war schon wesentlich besser. Unsere Abwehr stand wie eine Eins; Abwehrchefin Rebecca ist im Moment wirklich in Topform, und egal, ob die erfahrene Valeska oder Neuling Laura neben ihr stand - es funktionierte hervorragend. In fünf Spielen bekamen wir nur vier Schüsse aufs Tor. Zwei davon wehrte Keeperin Damla hervorragend ab, einmal war sie machtlos. Einmal patzte sie leider, aber es war ja auch ihr erstes Turnier, da passiert das schon mal. Nur zwei Gegentore im ganzen Turnier - niemand bekam weniger! Gegen den Gastgeber und späteren Turniersieger, der alle anderen Spiele hoch gewonnen hatte, erkämpften wir ein 0:0 - da waren alle Zuschauer ganz schön baff! Leider fehlt es immer noch an der Abschlussstärke - obwohl unsere Stürmerinnen sich wirklich einsetzten und viel rannten und kämpften, gelang ihnen mal wieder kein Tor. Deshalb landeten wir auch wieder auf dem letzten Platz, was nicht wirklich leistungsgerecht war. Rechnet man aber dazu, dass die Mädels viel Spaß hatten, Stimmung machten und einen guten Eindruck bei den anderen Teams und der Turnierleitung hinterließen, war es ein sehr ordentlicher Auftritt.

Und dann gab es noch das dritte Turnier. Es war kein wirklich wichtiger Wettkampf, die großen Schulturniere kommen ja erst in den nächsten Monaten. Wir wollten das Turnier vor allem nutzen, damit die Spielerinnen Erfahrungen und der Trainer Eindrücke sammeln konnten. Insofern war es ein absoluter Erfolg. Wir wissen jetzt, dass Rebecca und Valeska so als Abwehrreihe in die Schulwettkämpfe gehen können. Damla hat endlich zum ersten Mal bei einem Turnier im Tor gestanden und war mindestens solide - auf die Hintermannschaft können wir uns also verlassen. An der Offensive dagegen müssen wir noch arbeiten. Es kann nicht sein, dass wir nie Tore schießen, obwohl wir uns wirklich bemühen, nach vorne zu spielen. Aber vor allem bei Natasha und Helena habe ich gute Ansätze gesehen. Wir trainieren das jetzt noch ein bisschen, dann wird das schon. Insgesamt kann man auf das Turnier aufbauen, die Platzierung spielt keine große Rolle. Zudem bin ich stolz, dass die Mädels sich wieder als starkes und gut gelauntes Team präsentiert haben - so freue ich mich schon auf die nächsten Wettkämpfe.

Der aufmerksame Leser - zumindest, wenn er sich noch erinnert, dass es hier um
Framing geht - hat es natürlich längst gemerkt: Es gab keine drei Turniere. Nur ein einziges, aus dem wir mit der Ergebnisfolge 0:0, 0:1, 0:0, 0:0, 0:1 als Tabellenletzter herausgingen - mit den wenigsten Gegentoren aller Teilnehmer, aber auch als einzige ohne eigenes Tor.
Die erste Schilderung entspricht dem, was ich Frau Preben kurz darauf über das Turnier erzählt habe. Ich wollte auf die Dringlichkeit der Stürmermisere aufmerksam machen und mich für meine kurzzeitige Frustration rechtfertigen.
Die zweite Version habe ich etwa so nur wenige Minuten später der Schulleitung präsentiert - die soll schließlich den Eindruck gewinnen, dass unsere Wettkampfeinsätze die Schülerinnen bereichern und das positive Außenbild der Schule stärken.
Schilderung Nummer Drei ist etwa das, was die Spielerinnen in der Nachbesprechung beim nächsten Training am Freitag zu hören bekommen werden. Sie sollen ja nicht demoralisiert werden und die guten Dinge beibehalten Trotzdem müssen sie auch wissen, wo Verbesserungsbedarf besteht.
Alle drei Versionen sind "wahr". Ich habe nirgendwo etwas dazu gedichtet. Der unterschiedliche Eindruck entsteht nur durch
Framing.

Und der Ratschlag für den Trainer? Achte immer auf
Framing. Falle nicht darauf herein. Und frame deine Spielberichte, Halbzeitansprachen, Nachbesprechungen und gegebenenfalls Interviews immer zu deinem Nutzen.

Sonntag, 9. Dezember 2018

Die Hot Hand Fallacy, und Sophia Wendts Glückssträhne, die keine war (Denkfehler im Fußball 5)

"Der Stürmer hat einen Lauf!"


"Mit Sophia können wir nicht verlieren, sie hat eine Glückssträhne!"


-HOT HAND FALLACY

Der Stürmer, der gerade einen Lauf hat und immer trifft, gehört zu den ältesten Klischees im Fußball, und auch andere Sportarten kennen das Phänomen. Die Idee: Ein Stürmer, der z.B. in den letzten drei Spielen getroffen hat, hat - vielleicht durch das gewonnene Selbstbewusstsein - eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, im nächsten Spiel auch wieder zu treffen. Ein Trainer, der sich entscheidet, einen solchen Spieler nicht aufzustellen, sieht sich oft besonderer Kritik ausgesetzt. "Der hat doch einen Lauf, den braucht man jetzt!" Unter Stürmern kursieren Tipps, wie man einen Lauf gezielt verlängern kann. Doch ist überhaupt etwas dran?

Der Begriff
Hot Hand Fallacy stammt aus dem Basketball; hier wurde lange geglaubt, dass ein Spieler, der mehrere Freiwürfe hintereinander verwandelt, eine "heiße Hand" hat und auch die nächsten Würfe einfach versenken muss. Schon 1985 wies aber der Psychologe Thomas Gilovich nach, dass dieses vermeintliche Phänomen nicht existiert: Die Wahrscheinlichkeit eines verwandelten Freiwurfes bleibt immer gleich. Zunächst wurde die Studie von Sportlern und Fans angezweifelt, in späteren Erhebungen aber immer wieder bestätigt. Auch die Annahme, dass es im Fußball irgendwie anders sei, ist mittlerweile ausführlich widerlegt. Weder gibt es einen Stürmerlauf (die Wahrscheinlichkeit, dass ein Spieler ein Tor schießt, wird durch vorherige Treffer nicht beeinflusst), noch haben Mannschaften eine "Siegsträhne" (die Wahrscheinlichkeit, ein Spiel zu gewinnen, ändert sich durch vorherige Siege nicht) und auch die Änderung/Nichtänderung der Startaufstellung spielt keine Rolle - Never Change a Winning Team ist also auch keine Regel, an die man sich zu halten braucht. Interessanterweise ist es im Falle der Siegsträhne sogar so, dass die Wahrscheinlichkeit, das nächste Spiel zu gewinnen, nach einer Serie von vier vorhergehenden Siegen leicht geringer ist als ohne diese Vorgeschichte. Außerdem stellte der Autor Andreas Heuer fest, dass es zwar keine Positivläufe, aber sehr wohl Hinweise auf Negativläufe gibt - hier dürfte der Verlust von Selbstbewusstsein tatsächlich eine Rolle spielen.
Noch absurder, aber ähnlich beliebt, ist die Vorstellung einer Glückssträhne im Glücksspiel. Wer zwei, dreimal in Folge beim Roulette gewinnt, glaubt, einen Lauf zu haben, erhöht die Einsätze - und ruiniert sich am Ende. Oft motiviert er sogar andere Spieler, auf dieselben Zahlen wie er zu tippen, um sich an die vermeintliche Glückssträhne zu hängen. Dabei ist völlig offensichtlich, dass die Wahrscheinlichkeit, beim Roulette auf die richtige Zahl zu tippen, immer exakt die gleiche bleibt und vom Spieler nicht zu beeinflussen ist. Auch im Bereich der Wirtschafts- und Börsenspekulation kennt man den unsinnigen Mythos vom glücklichen Händchen.

Sophia Wendt kam in einer recht erfolgreichen Zeit neu in meine Mannschaft. In ihrer ersten Saison nahm sie an drei Turnieren teil. Im ersten davon wurde Sophias Team mit sechs Siegen in sechs Spielen Bezirksmeister; im zweiten landete Sophia mit ihrer Mannschaft nach vier Siegen in fünf Spielen ebenfalls auf dem ersten Platz. Das dritte Turnier war die Fortsetzung des ersten, nun spielten die Bezirksmeister um die Stadtmeisterschaft. Mit fünf Siegen in fünf Spielen erreichte Sophias Team das Finale, wo es allerdings knapp verlor und so "nur" Vize-Stadtmeister wurde.
Sophia Wendt wies also die beeindruckende Statistik von zwei Turniersiegen und einem zweiten Platz bei drei Turnierteilnahmen auf. Das wäre schon ein Spitzenwert für meine Spielerinnen gewesen, ist aber noch nicht alles: Bei den beiden Niederlagen, die Sophias Teams bei diesen drei Turnieren erlitten, stand Sophia nicht auf dem Platz. Sie beendete die Saison mit vierzehn Spieleinsätzen und war nur an Siegen beteiligt gewesen. Eine unglaubliche Glückssträhne.
Einige der Mädels waren zu Beginn der neuen Saison daher überzeugt: Mit Sophia Wendt im Team konnte man gar nicht verlieren. Auch ich leistete mir diesen kleinen Aberglauben, und zusammen mit meinem generellen Faible für Sophias sorgte das dafür, dass Sophia Wendt Stammspielerin wurde, obwohl sie nicht zu unseren absoluten Spitzenkräften gehörte.
Doch von ihrer Glückssträhne war nichts mehr zu sehen. Nach vielen Abgängen waren wir in diesem Jahr deutlich schwächer als im vorhergehenden und erlitten viele Niederlagen - egal, ob Sophia auf dem Platz stand oder nicht. War ihre Glückssträhne beendet, oder hatte sie nie existiert?
Natürlich zweiteres. Sophias Fabelsaison war allerdings auch kein reiner Glücksfall. Sie war dreimal Teil eines besonders starken Teams gewesen, von dem ein gutes Abschneiden durchaus nicht überraschend kam. Allerdings: Sie war auch alle drei Male die unerfahrenste, schwächste Spielerin des Teams gewesen - weshalb sie in den beiden engen Spielen gegen stärkere Gegner, die am Ende verloren gingen, nicht eingewechselt wurde. Mit Glück oder einem Lauf hatte das nichts zu tun.

Was lernt der Trainer also daraus? Verlass dich nicht auf Positivläufe. Hab aber auch keine Angst vor Gegnern, die angeblich einen Lauf haben. Und verschwende nicht zu viel Zeit mit all den Tipps, die helfen sollen einen Lauf zu verlängern. Die sind nutzlos - inklusive "
Never Change a Winning Team".  

Samstag, 8. Dezember 2018

Der In-Group/Out-Group-Bias, und warum meine Mädels am beeindruckendsten sind, wenn sie nicht spielen (Denkfehler im Fußball 4)

"International muss man zu den deutschen Klubs halten!"

"Das Team von meiner Schule ist mein Team!"

- IN-GROUP/ OUT-GROUP-BIAS

Patriotismus in jedweder Form ist mir völlig fremd. Ich habe noch nie verstanden, warum ich Stolz auf meine zufällige Geburt in einem bestimmten Land empfinden soll - einem Land, wohlgemerkt, dessen Grenzen sich über Jahrhunderte auf chaotische Weise hin und her verschoben haben, bis sie ihre heutige Form erreichten. Vor ein paar hundert Jahren gehörte der Ort, von dem meine Familie stammt, noch zu Dänemark, und meine Heimatstadt zu einem nicht mehr existenten Staat namens Preußen. Wäre ich zwei Autostunden weiter östlich geboren, wäre ich Pole. Aus all dem abzuleiten, welche Sportler ich anfeuern soll, zu wem ich bei der Papstwahl zu halten habe etc. erscheint mir völlig unsinnig.
Aber Patriotismus spielt in vielen Bereichen eine große Rolle, auch und gerade im Fußball.
Man könnte hier zum Beispiel darauf verweisen, dass von einem Deutschen erwartet wird, Fan der deutschen Nationalmannschaft zu sein. Warum? Ich kenne keinen der Spieler persönlich, und ihre Spielweise gefällt mir nicht.
Aber interessanter finde ich eine andere unsinnige Ansicht, mit der man immer wieder konfrontiert wird: "International muss man zu den deutschen Klubs halten!" Gemeint ist: Wenn z.B. Bayern München in der Champions League antritt, habe ich den Bayern gefälligst die Daumen zu drücken! Für mich völlig blödsinnig. Ich verabscheue Bayern München. Gewinnen sie in der Champions League, gewinnen sie auch an Prestige und vor allem an Geld. Warum, um alles in der Welt, sollte ich dafür sein? Manchmal wird einem die ominöse Fünf-Jahres-Wertung als Grund präsentiert, aber das verschiebt das Problem höchstens um eine Stelle. Warum sollte ich dafür sein, dass Deutschland in der Fünf-Jahres-Wertung vor Frankreich und Italien steht? Was habe ich davon, inwiefern betrifft es mich? Es geht hier natürlich nur wieder um Patriotismus. Ich soll für das deutsche Team sein, weil es wie ich aus Deutschland kommt.
In der Psychologie nennt man den Denkfehler, der zu Patriotismus und anderen Formen des extremen Gruppendenkens führt, In-Group-Bias. Das Gegenstück und untrennbar damit verbunden ist der Out-Group-Bias. Menschen neigen dazu, sich in echten oder gedachten Gruppen zusammenzuschließen und sich extrem mit dieser Gruppe zu identifizieren. Gruppen bilden sich aus trivialen und teilweise absurden Gründen. Geburtsort, Arbeitgeber, Geschlecht, Lieblingsfarbe. In wissenschaftlichen Experimenten haben selbst komplett zufällig zusammengestellte Gruppen eine ausgeprägte Gruppenidentifikation entwickelt. Man findet die Menschen, die man als Teil seiner Gruppe betrachtet, sympathischer und ist eher bereit, ihnen zu helfen. Im Gegenzug betrachtet man Menschen außerhalb der Gruppe negativer und denkt von ihnen eher in Stereotypen. In-Group-Bias und Out-Group-Bias können schlimme Folgen haben. Rassismus ist eine ihrer Ausprägungen, und wer sich im Krieg "für sein Land opfert", ist im Prinzip einfach nur diesen Denkfehlern zu Opfer gefallen.


Manchmal führt der
In-Group-Bias aber auch zu tollen Ergebnissen.
Meine Mädels identifizieren sich meistens sehr mit der Mannschaft. Viele klassenübergreifende Freundschaften hatten ihren Ursprung in der Fußball-AG. Aber vor allem neigen die Mädchen zu tollen Auftritten, wenn sie bei einem Turnier
nicht spielen.
Vor ein paar Jahren hatten wir ein Turnier, an dem wir mit zwei Teams teilnahmen. Im Prinzip waren diese beiden Teams, die wir aus unserer AG zusammengestellt hatten, Konkurrenten im Kampf um den Turniersieg. Logisch wäre es gewesen, wenn sie nicht zueinander gehalten hätten. Was aber tatsächlich geschah, war das Gegenteil: Jedes Mal, wenn eins unserer Teams gegen eines von einer anderen Schule spielte, wurde es von unserem anderen Team gefeiert. Das ging so weit, dass unsere B-Mannschaft die Schulhymne sang, wenn die A-Mannschaft spielte. Hinterher wurden wir von der Turnierleitung für die tolle Stimmung, die die Mädels verbreitet hatten, gelobt.
Letztes Jahr gab es sogar noch ein extremeres Beispiel. Vor dem Drumbo Cup hatten wir rund zwanzig Mädchen in der AG, doch bei dem Turnier dürfen maximal acht Spielerinnen antreten. Die Auswahl war nervenaufreibend, es gab Neid, Streit und Tränen. Frau Preben und ich entschieden, trotzdem alle Mädchen zum Turnier mitzunehmen - acht als Spielerinnen, den Rest zum Zuschauen.
Logisch wäre gewesen, wenn die Zuschauerinnen den Spielerinnen ein schlechtes Turnier gegönnt hätten - das hätte schließlich ihre Chancen erhöht, stattdessen beim nächsten Mal selbst ausgewählt zu werden. Aber aller Neid war wie weggeblasen, als es gegen die Teams der anderen Schulen ging. Wieder sangen unsere Nicht-Spielerinnen während aller Partien unseres Teams, und im Laufe des Turniers dachten sie sich sogar eine Cheerleader-Choreographie aus, die sie während der späteren Spiele vorführten. Als nach zwei erfolglosen Spielen zu Anfang im dritten Spiel endlich unser erstes Tor fiel, drehten unsere Zuschauerinnen fast durch vor Begeisterung. Und als die Mädels das Ergebnis dann auch noch über die Zeit brachten, stürmten unsere Fans den Platz und fielen den Spielerinnen um die Hälse. Sie hatten sich absolut mit der Mannschaft identifiziert, zu der sie heute nicht gehörten, und fühlten sich selbst auch als Siegerinnen.
In-Group-Bias. Manchmal kann er eine tolle Sache sein.


Freitag, 7. Dezember 2018

Scapegoating, und warum Leah in schlechterer Erinnerung blieb, als sie es verdient hätte (Denkfehler im Fußball 3)

"Özil war schuld am deutschen WM-Aus!"


"Für die hohe Niederlage war die Torhüterin verantwortlich!"


- SCAPEGOATING 

Als die deutsche Nationalmannschaft in diesem Sommer blamabel in der Vorrunde der WM scheiterte, waren sich viele Fans einig: Mesut Özil war schuld! Immer diese hängenden Schultern, immer tauchte er in wichtigen Spielen ab. Wahrscheinlich fehlte es ihm am Nationalstolz, schließlich war er ja eigentlich Türke. Und überhaupt, diese ganze Affäre um das Erdogan-Foto hatte ja Unruhe ins Team gebracht! Löw, Bierhoff und DFB-Präsident Grindel nutzten die Gunst der Stunde, von Kritik an sich abzulenken und brachten sich aus der Schusslinie. Özil trat schließlich unter viel Krach zurück.

Es liegt in der Natur des Menschen, für Dinge, die schiefgehen, einen Sündenbock (engl. scapegoat)zu suchen. Das scapegoating ist ein Teil eines größeren Denkfehlers, der fallacy of the single cause (etwa: "Denkfehler der einen Ursache"), unserer Neigung, für Ereignisse eine einzelne Ursache festzumachen, den einen, wahren Grund. Die Vorstellung, eine einzelne Person, Gruppe oder ein einzelnes Ereignis erkläre den Misserfolg, ist unglaublich verführerisch; Logik spielt dann keine Rolle mehr. Im Beispiel oben wurde nicht nur vergessen, dass Özil in Russland statistisch noch einer der besten Spieler der deutschen Nationalmannschaft gewesen war; auch, dass ein krachendes Vorrundenaus nicht an einem einzelnen Aspekt festmachbar ist, wurde ignoriert. Zum Aus trugen viele Aspekte bei, zum Beispiel die unzureichende Vorbereitung auf die Vorrundengegner, das übertriebene Selbstbewusstsein, die schwache Leistung einiger Stammspieler (Müller, Khedira, Boateng etc.), schlechte Stimmung im Kader, natürlich auch Pech und falsche Entscheidungen des Trainers Jogi Löw, die einige der Probleme noch verschärften.
 Meist beginnt das
Scapegoating unterbewusst, weil unser Gehirn unvernünftigerweise nach der einen Ursache sucht, die es in Wirklichkeit nicht gibt. So war es auch bei Özil. Leute, die sich fragten, was schiefgegangen war, kamen ganz von selbst auf den unbeliebten und kurz zuvor mit der Erdogan-Affäre aufgefallenen Özil. Es kann aber auch instrumentalisiert werden, um von anderen Problemen abzulenken, was man hier wohl der DFB-Spitze vorwerfen kann. Es kann fast harmlos verlaufen, aber es kann auch zu echten Katastrophen führen, zu Hass, Hetze und Verfolgung. Das schlimmste Opfer von Scapegoating ist das jüdische Volk, das jahrhundertelang und bis heute zu Unrecht für alle möglichen Katastrophen und sozialen Missstände verantwortlich gemacht wurde - was schließlich im Holocaust gipfelte.
So schlimm wird es im Fußball natürlich bei weitem nicht, aber zumindest wurde Özils Nationalmannschaftskarriere völlig unwürdig beendet. Viele Trainer hat das
Scapegoating ihren Job gekostet, wenn sie als vermeintlich Verantwortliche für die schwachen Leistungen einer Mannschaft ihren Hut nehmen mussten. Neben dem Traineramt gibt es aber noch einen zweiten Posten im Fußball, auf dem man ganz schnell zum Sündenbock wird.

Leah Kürschner war die beste Torhüterin die ich je in meinem Team hatte - und nicht nur das, sie war die beste Torhüterin, die ich je in diesem Altersbereich bei Mädchen gesehen habe. Und das völlig aus dem Stand. Anfang der fünften Klasse kam sie in mein Team und hatte vorher noch nie Fußball gespielt. Mitte der fünften Klasse ging sie das erste Mal ins Tor. Ende der fünften Klasse war sie fast unüberwindlich. Ein Megatalent, das alles hatte: Strafraumbeherrschung, Stärke auf der Linie, Stärke im 1-gegen-1, Mitspielfähigkeit, Reaktionsvermögen, Sprungkraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Mut. Eine Elferkillerin war sie auch noch. Viele Spiele haben wir im "deutsche Nationalelf von 2002"-Stil gewonnen - hinten fing ein Torwarttitan alles weg, vorne drückten wir irgendwie einen Ball über die Linie.
Aber ein Schatten fällt auf Leahs AG-Zeit: Sie stand auch beim wohl schlimmsten Debakel, das wir je erlebt haben, im Tor. Wir spielten damals in der zweiten Runde der Feldrunde. Die erste Runde hatten wir ohne Gegentor gewonnen, aber in dieser zweiten lief es nicht so gut. Zum Auftakt hatten wir eine hohe Niederlage gegen einen starken Gegner erlitten, es folgte ein hart erkämpftes 0:0 im zweiten Spiel. Um noch in die dritte Runde weiterzukommen, mussten wir jetzt das dritte Spiel haushoch gewinnen. Zum Glück ging es gegen einen leichten Gegner. Bei der Truppe der Kästner-Schule war die erste Mannschaft, die sich für Runde zwei qualifiziert hatte, wegen Klassenfahrt fast komplett ausgefallen - man trat mit einer absoluten Notmannschaft ohne Fußballerfahrung an. In den ersten beiden Spielen hatten die Kästner-Mädels deutlich verloren und echte Slapstickeinlagen geliefert, inklusive "Über-den-Ball-stolpern". Das Weiterkommen wurde uns also auf dem Silbertablett serviert. Am Ende hatten wir 1:5 verloren.
Die Szene, die sich jedem Beobachter (und auch den Spielerinnen) der unfassbaren Demütigung in die Erinnerung gebrannt hat, ist Leahs komplette Regungslosigkeit, als ein echter Kullerball ganz langsam direkt an ihrem rechten Fuß vorbei zum 0:4 über die Torlinie trudelt. Der schlimmste von fünf ganz schlimmen Torwartpatzern.
Die Mädels waren richtig sauer auf Leah - und ich auch. Gut, dass wir in diesem Jahr keine zweite Torhüterin hatten, es wäre sonst denkbar gewesen, dass Leah nie wieder in unserem Tor gestanden hätte (und das wäre eine schlechte Entscheidung gewesen). "Das haben wir nur wegen Leah verloren", war die einhellige Meinung, und noch heute werfen Frau Preben und ich Leah ihre Leistung von diesem Tag vor, wenn wir über die damalige Mannschaft reden.

Aber ist das fair? Natürlich nicht, es ist (unbewusstes)
scapegoating. Leah wird zum Sündenbock für eine Verkettung von Fehlern und Unglücksfällen, die am Ende die schlimme Niederlage verursacht haben. Es fing damit an, dass Fanny Kronach, unsere mit Abstand beste Stürmerin, sich im Sportunterricht verletzte und das Turnier absagen musste. Frau Preben und ich wählten als Ersatz ausgerechnet Lara Grünau, die zwar talentiert, aber noch ganz neu im Team war. Ein klarer Nominierungsfehler, Lara war mit der Situation völlig überfordert und überhaupt kein Faktor im Turnier. Fast ein Jahr lang traute sie sich danach nicht mehr, an einem Wettkampf teilzunehmen. Wir hatten vorher nicht auf dem großen Feld trainieren können, daher waren die Mädels, vor allem diejenigen, die in der ersten Runde nicht dabei waren, noch im Hallenfußballmodus und wurden auf dem Feld einfach überrannt. Gleich im ersten Spiel mussten wir gegen den stärksten Gegner antreten und hatten keine Chance; ein Schlag für das Selbstbewusstsein ganz zum Auftakt. Dann war es brüllend heiß, und gegen Ende des zweiten Spiels kippte Sophia Savoy, unsere beste Abwehrspielerin, plötzlich einfach um. Sie erholte sich zwar wieder, konnte im letzten Spiel aber nicht mitwirken - und der Schreck saß meinen Mädels natürlich auch in den Gliedern. Zudem hatten wir, weil Sophia ja sonst so zuverlässig war, keine zweite große Verteidigerin im Team - uns blieb nur Mia aus der vierten Klasse, die zwar recht gut, aber drei Köpfe kleiner als die Gegnerinnen war und eigentlich an Sophias Seite Erfahrung sammeln sollte. Dann hatten wir das Momentum gegen uns - gleich der erste Schuss der Gegnerinnen saß. Ein Ball, den Leah sonst mit der Mütze gefangen hätte, aber sie rutschte weg. Damit waren alle kläglichen Überreste von Selbstvertrauen und Planung, die nach all den Unglücksschlägen vielleicht noch übriggeblieben waren, weggefegt.
Statt zu versuchen, dagegenzusteuern, die Mädels aufzubauen, einen neuen Spielplan zu entwickeln, fingen Frau Preben und ich in unserer Fassungslosigkeit an, auf unser Team zu schimpfen und machten damit alles noch schlimmer, worauf wir noch mehr schimpften und so weiter. Und schließlich kam noch Pech dazu: Jeder Schuss der Kästner-Schule, egal von wo und wem, kam irgendwie aufs Tor, unsere wenigen Versuche versprangen alle. Erst kurz vor Schluss fasste sich Sara Demir, die erfahrenste Spielerin, die uns noch geblieben war, ein Herz, marschierte einfach alleine an der kompletten gegnerischen Mannschaft vorbei und schob den Ball an der winzigen und schwachen Keeperin vorbei zum Ehrentreffer ins Tor. So einfach hätte es sein können, wenn alles ein bisschen besser gelaufen wäre.
Ja, Leah hatte einen schlechten Tag. Aber alle anderen auch, und dazu kamen unheimlich viel Pech und Versagen des Trainerteams, und dafür kann Leah überhaupt nichts. Es gab nicht den
einen Grund für das epochal schlechte Spiel.

Die Lektion, die man als Trainer also daraus ziehen sollte: Nie einem einzelnen Spieler die Schuld für ein schlechtes Ergebnis geben. Stattdessen: Fertige eine sorgfältig durchdachte Liste mit allen Gründen an, die man für das Scheitern finden kann. Streiche danach alle Gründe, auf die du keinen Einfluss nehmen kannst ("Pech", "Benachteiligung durch den Schiedsrichter" etc.) und arbeite an den Gründen, die übrigbleiben.

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Der Halo Effect, und warum Sophias bei mir bessere Karten haben (Denkfehler im Fußball 2)

"Mein Lieblingsfußballer ist Rúrik Gislason!"

"Auf Sophias kann man sich eben verlassen!"


- HALO EFFECT

Schöne Fußballer spielen schlechter. Christiano Ronaldo mag die Ausnahme sein, die die Regel bestätigt, aber im Allgemeinen ist das tatsächlich so - wie der Soziologieprofessor Ulrich Rosen in einer aufsehenerregenden Studie aus dem Jahr 2010 belegte. Woran liegt das?
Vermutlich ist es ganz einfach: Hässliche Fußballer müssen sich mehr anstrengen, um in die Mannschaften zu kommen und dort zu bleiben - schon im Jugendbereich. Attraktiven Menschen öffnen sich die Türen nach oben viel einfacher. Ein attraktiver Fußballer im selben Gehaltsbereich wie ein unattraktiver hat weniger hart trainiert und brauchte weniger Talent. Er muss auch weniger leisten, um Fans zu gewinnen und zu halten. Rurik Gislason aus Island zum Beispiel gewann innerhalb weniger Tage rund 70.000 Instagram-Follower, nachdem ein Teamkollege ein Foto von ihm mit dem Hashtag #sexyrurik teilte – mittlerweile hat er über eine Million Follower, rund 80% davon Frauen. Fast täglich bekommt er Heiratsanträge. Gislason spielt beim SV Sandhausen - einem abstiegsverdächtigen Klub der zweiten Liga.
Attraktivität ist nicht nur im Fußball hilfreich - in allen Lebensbereichen haben es schöne Menschen einfacher. Das fängt schon in der Schule an, wo gut aussehende Schüler bessere Noten für gleiche Leistung bekommen. Ursache ist der Halo Effect, der "Heiligenschein-Effekt". Wir tendieren dazu, von einer einfach zu erkennenden Eigenschaft auf andere, schwerer zu eruierende Eigenschaften zu schließen – aus äußerlicher Attraktivität, die ja leicht festzustellen ist, leiten wir viele positive Dinge ab, die eigentlich schwer zu ermitteln wären. Freundlichkeit, Intelligenz, sportliches Talent etc. Als Trainer also einfach mal darauf achten, ob man wirklich mehr nach Leistung als nach Aussehen aufstellt...
Es muss aber nicht immer die Attraktivität sein, die einen beeinflusst.
Ich hatte eine Lieblingsspielerin in meiner Mädchentruppe, Sophia. Sophia war eine gute Spielerin, schnell, ballsicher, mit viel Übersicht. Sie war auch sehr vernünftig und zuverlässig. Aber vor allem hatte sie eine ähnliche Art zu denken und einen ähnlichen Humor wie ich. Wir funkten einfach auf einer Wellenlänge. Sophia war meine absolute Heldin. Sie konnte in meinen Augen nichts falsch machen. Hatte sie auf dem Platz mal einen schlechten Tag, wurde sie vom Team nicht genug unterstützt. War sie nervig, fand ich das witzig.
Sie war wirklich ein tolles Mädchen, da waren sich immer alle einig, aber objektiv betrachtet wahrscheinlich nicht so toll, wie ich sie machte.
Wenig später bekamen wir eine zweite Sophia ins Team, eine großartige Fußballerin - eine der besten, die ich jemals trainiert habe - und auch sehr nett.
Und damit war mein "Sophia-Halo" geboren. Von der leicht festzustellenden Eigenschaft „Vorname Sophia“ schloss ich auf Zuverlässigkeit, Freundlichkeit, Spielstärke.
"Sophia" ist ein überdurchschnittlich häufiger Vorname an unserer Schule. Im ersten Jahr, nachdem die beiden ersten Sophias die Schule verlassen hatten, kam eine neue Sophia ins Team. Frau Preben sagt, ich hätte diese dritte Sophia in den nächsten zwei Jahren maßlos bevorzugt und in den Himmel gehoben. Sie stimmt mir aber auch zu, dass auch diese Sophia ziemlich gelungen war, was nicht zum Abbau meines positiven Vorurteils beitrug.
Nach Sophia III kamen drei Sophias, die gemeinsam in eine Klasse gingen. Jahrelang versuchte ich, nur aufgrund des Vornamens, diese drei in die AG zu lotsen, und als es schließlich gelang, war ich selig. Die drei wurden absolutes Stammpersonal meines Teams - das Sophia IV ein bisschen übergewichtig und daher nicht schnell und ausdauernd genug war, Sophia V nicht besonders zuverlässig und Sophia VI etwas sehr eigen, übersah ich geflissentlich. Und tatsächlich, muss man sagen, enttäuschten auch die drei nicht, waren immer nett und lustig und auch noch gut - sie holten sogar einen Landesmeistertitel im Dreierteam-Käfigfußball an die Schule. Vielleicht ist es also doch nicht der
Halo Effect und Sophias sind einfach großartig.
Derzeit versuche ich, die beiden letzten Sophias der Schule in die AG zu bekommen - dabei weiß ich nicht viel mehr über sie als ihre Vornamen. Aber es sind halt Sophias. Was soll schon schiefgehen?

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Die Swimmers Body Illusion, und warum Mädchen, die mit Jungs Fußball lernen, besser sind (Denkfehler im Fußball 1)

In dieser lockeren Reihe werde ich in Zukunft einige klassische Denk- und Logikfehler vorstellen und wie sie sich auf Fußballfans und vor allem Amateurfußballtrainer auswirken. Vermeidest du diese Fehler, bist du schon auf halbem Weg zum Trainerstar!

"Bayern München bietet großartiges Training!"

"Mädchen werden besser, wenn sie möglichst lange mit Jungs trainieren!"

- SWIMMERS BODY ILLUSION

Die Spieler des FC Bayern München gehören durchweg zu den besten Fußballern Deutschlands, und mit ihrer Hilfe dominiert der Verein seit Jahrzehnten die Bundesliga. Warum aber sind die Spieler der Bayern so stark? Viele vermuten: Exzellentes Training. Manch ein Spieler, der an der Säbener Straße anheuert, begründet seine Entscheidung sogar damit, dass das Training dort ihn voranbringen wird.
Dabei verhält es sich in Wirklichkeit ganz anders: Bayern München ist der reichste Verein Deutschlands und kauft mit seinem Geld die stärksten Spieler. Zu den besten Spielern Deutschlands zu gehören, ist Voraussetzung, um am Training der Bayern teilzunehmen, nicht das Ergebnis des Trainings (was nicht heißen soll, dass das Training bei den Bayern schlecht ist - nur, dass man seine Qualität nicht an der Stärke der Spieler ermessen kann).
Diesen Denkfehler, die Verwechslung von Auswahlkriterium und Ergebnis, nennt man die Swimmers Body Illusion, den "Schwimmerkörper-Trugschluss". Viele Menschen glauben, vom intensiven Schwimmen bekäme man den markanten Körperbau von Michael Phelps, mit dem V-förmigen Oberkörper - dabei ist Phelps Profischwimmer, weil er die Anlagen zu diesem Körperbau hat.
Die Swimmers Body Illusion steckt meiner Meinung nach auch hinter dem populärsten Irrtum im Mädchenfußball: Hartnäckig hält sich das Gerücht, Fußballerinnen würden davon profitieren, möglichst lange mit Jungen zusammen zu spielen und zu trainieren. Dabei ist längst hinreichend bewiesen, dass das nicht der Fall ist - es macht individuell keinen Unterschied, ob ein Mädchen unter Geschlechtsgenossinnen trainiert oder unter Jungen. Dafür gehen Vereinen, die in den unteren Altersklassen keine Mädchenmannschaft anbieten, Talente verloren - Mädchen, die nicht mit Jungs zusammen spielen wollen (oder dürfen). Wie kommt es aber zu diesem verhängnisvollen Mythos?

Vor Kurzem hat eines meiner Mädels, Natasha, angefangen, auch am Training des Jungen-Schulteams teilzunehmen. Wenig später erzählte mir Frau Preben, die die Jungs trainiert, begeistert, wie stark sich Natasha in kürzester Zeit entwickelt habe, wie mutig und durchsetzungsfähig sie geworden sei und wie toll sie mittlerweile spiele. Da sähe man ja mal wieder, dass es Mädchen eben doch helfen könne, bei den Jungs mitzumachen. Ich nickte das zuerst ab, schließlich hatte ich diesem Glauben auch lange angehangen und sah mich bestätigt - diese modernen Studien haben eben auch nicht immer Recht! Aber dann stutzte ich. War, ging es mir durch den Kopf, Natasha nicht schon immer mutig, durchsetzungsfähig und verhältnismäßig spielstark gewesen? Natürlich war sie das.
Passiert war selbstverständlich Folgendes: Weil Natasha so mutig ist, hat sie sich überhaupt erst getraut, es bei den Jungs zu versuchen - anders als meine anderen Mädels. Und weil Natasha sich durchsetzen kann und auch ganz gut spielt, konnte sie sich unter den Jungs behaupten und dort weitermachen - statt gleich wieder frustriert aufzugeben.
Ihr Mut, ihr Durchsetzungsvermögen und ihre Spielstärke sind die Bedingungen, die Natasha einbringen musste, um am Jungentraining teilzunehmen - nicht die Fähigkeiten, die sie dadurch erworben hat. Und das gilt für all die anderen Mädchen, die durch die "harte Schule" der Jungenteams gegangen sind, genauso. Ein Mädchen, das sich jahrelang in der anspruchsvolleren, schnelleren, härteren Welt des Jungenfußballs durchbeißt, schafft das, weil es anderen Mädchen etwas voraus hat.
Wenn Natasha davon profitiert, auch am Jungentraining teilzunehmen, dann deshalb, weil sie dadurch doppelt so oft trainiert wie ihre Teamkameradinnen, die nur an der Mädchenfußball-AG teilnehmen. Was natürlich auch schon ganz schön ist...

Fußballirrtümer: Der Super Bowl hat mehr Zuschauer als jedes Fußballspiel

Der Super Bowl, das Finale der amerikanischen Football-Liga NFL, wird oft als das „größte Einzelsportereignis der Welt“ bezeichnet. Soll h...