13.
Jesus wurde in einem Stall geboren
Der Stall mit der
Krippe, inklusive Ochs und Esel, ist fester Bestandteil unserer
Weihnachtstraditionen, dargestellt in unzähligen Kunstwerken und auf noch mehr
Weihnachtskarten, besungen in diversen Weihnachtsliedern, dargestellt in
Krippenspielen auf der ganzen Welt. Woher aber kommt die Vorstellung, Jesus sei
in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt worden?
In den
Weihnachtsgeschichten von Lukas und Matthäus kommt nirgendwo ein Stall vor;
eine Krippe wird in einem einzigen Satz erwähnt: „Sie wickelte ihn (Jesus) in
Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie
war.“ (Lukas 2,7) Aus diesem einen Satz entspinnt sich unsere ganze Vorstellung
von Jesu Geburt – Josef und Maria, verzweifelt auf der Suche nach Unterkunft,
werden in diversen Gasthäusern abgewiesen, bis ein Gastwirt Erbarmen zeigt und
wenigstens einen Platz im Stall für sie findet. Dort wird Jesus geboren und in
die Futterkrippe gebettet. Der Autor dieses Satzes meinte vermutlich aber etwas
ganz anderes.
Zunächst scheint es
unglaubwürdig, dass das vorchristliche Betlehem überhaupt über ein Gasthaus
verfügte (von mehreren, die Josef und Maria vergeblich abklappern konnten, ganz
zu schweigen). Außerdem hätte Josef, wenn er bei Fremden Unterschlupf gesucht
hätte, alle seine Verwandten, die sicher noch in seiner Geburtsstadt lebten,
tödlich beleidigt. Ergäbe das Sinn?
Für einen Leser zur
Zeit der Verfassung des Textes hätte sich die Geschichte ganz anders
dargestellt, und so war sie vermutlich auch gemeint:
Josef möchte seine
schwangere Frau und sich selbst bei Verwandten einquartieren, doch in deren
Gästezimmer ist kein Platz mehr. Da man Verwandte aber nicht abweist, werden
die beiden im Hauptraum des Hauses untergebracht. In diesem Hauptraum lebt
nicht nur die Gastgeberfamilie, in kalten Nächten werden hier auch die Tiere
untergebracht – das war in Zeiten vor der Zentralheizung durchaus üblich, die
Tiere dienten als lebendes Heizsystem. Daher stand in diesem Raum natürlich
auch eine Futterkrippe, und in die wurde der kleine Jesus gebettet, weil kein
Bettchen mehr zur Verfügung stand.
So ergibt die
Weihnachtsgeschichte wesentlich mehr Sinn, und so passt es auch zu Matthäus‘
Version, in der die Weisen aus dem Morgenland Jesus in einem Haus vorfinden
(Matthäus 2,11).
Jesus wurde also
nicht in einem Stall geboren, sondern im Wohnzimmer von Verwandten.
Quellen: Kenneth Humphries, Birthing of a Godman; Roger Highfield, Können
Engel fliegen?; Hartmut Schickert, Der
kleine wissenschaftliche Adventsbegleiter
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