25.06.18
Spiele des Tages: Uruguay
– Russland 3:0
Saudi-Arabien – Ägypten 2:1
Spanien – Marokko 2:2
Iran – Portugal 1:1
Meine Tipps: Uruguay
– Russland 2:2 (Punkte: 0)
Saudi-Arabien – Ägypten 0:1 (Punkte: 0)
Spanien – Marokko 2:0 (Punkte: 0)
Iran – Portugal 0:2 (Punkte: 0)
Gesamtpunktzahl: 27
Ab heute bis zum Ende der Vorrunde finden immer zwei Spiele
pro Gruppe parallel statt. Das ist eine für den heutigen Fußball erstaunlich
fernsehzuschauerunfreundliche Einrichtung. Warum ist das so?
Der Sinn des Ganzen ist es, Manipulationen zu verhindern. Finden
die Spiele nacheinander statt, so der Gedanke, dann kennen die beiden Teams,
die das letzte Spiel bestreiten, das Ergebnis der Gruppengegner, können die
komplette Tabelle durchrechnen, bevor sie spielen und unter Umständen ein
Ergebnis absprechen, das beiden Teams weiterhilft, während die Gruppengegner
machtlos zuschauen.
Das ist nicht etwa aus der Luft gegriffen. Die Regel mit den
parallelen Spielen wurde als direkte Reaktion auf ein Ereignis beschlossen, das
bis heute als einer der größten Skandale der WM-Geschichte gilt – die „Schande
von Gijón“.
Zu diesem Tiefpunkt der WM- und der deutschen
Länderspielgeschichte kam es vor genau 36 Jahren, am 25.06.1982, während der
Vorrunde der WM in Spanien. Damals fanden die abschließenden Gruppenspiele noch
nacheinander statt. Im vorletzten Spiel der Vorrundengruppe 2 hatte Algerien Chile
mit 3:2 geschlagen und stand damit vor dem Einzug ins Achtelfinale. Im letzten
Gruppenspiel im nordspanischen Gijón standen sich nun Deutschland und
Österreich gegenüber – und konnten sich ausrechnen, welches Ergebnis für sie am
günstigsten wäre. Die beiden Teams erkannten schnell: Deutschland musste
gewinnen, um noch an Algerien vorbeizuziehen. Österreich konnte sich eine
Niederlage leisten, um vor den Afrikanern zu bleiben, sie durfte aber nicht
höher als 0:2 ausfallen. Raten Sie, was geschah - Deutschland ging nach zehn
Minuten durch Hrubesch in Führung, danach passierte buchstäblich nichts mehr.
Die Mannschaften spielten sich den Ball hin und her, es kam zu keinen
ernsthaften Torschüssen oder Zweikämpfen mehr. Algerische Fans auf der Tribüne
wedelten erbost mit Geldscheinen, auch die deutschen und österreichischen Fans
pfiffen. Es half nichts, es blieb beim 1:0 und Algerien war ausgebootet.
Solche Situationen sollen also durch die Parallelspiele verhindert
werden. Das gelingt nicht immer. Manchmal ergibt sich dennoch eine Situation,
in der zwei Mannschaften beide von einem abgesprochenen (oder stillschweigend
vereinbarten) Ergebnis profitieren und das Parallelspiel bedeutungslos machen
würden. Auch in diesem Jahr ist ein solcher Fall dabei: Spielen Frankreich und
Dänemark morgen Unentschieden, dann ist Frankreich Gruppensieger und Dänemark
kommt als Zweiter ebenfalls weiter - während die Australier, die momentan noch
rechnerische Chancen aufs Achtelfinale haben, sich auf den Kopf stellen (oder
z.B. 20:0 gegen Peru gewinnen) könnten und doch ausgeschieden wären.
An eine andere derartige Situation, an der ebenfalls
Dänemark beteiligt war, erinnere ich mich noch sehr gut. Bei der EM 2004 war vor
dem letzten Gruppenspieltag klar: Gab es einen Sieger im Spiel zwischen den
beiden führenden Teams, Schweden und Dänemark, könnte Italien mit einem
gleichzeitigen Sieg gegen Bulgarien noch am Verlierer vorbeiziehen. Bei einem
niedrigen Unentschieden der Skandinavier würden die Italiener mit einem Sieg
wegen der erzielten Tore noch die punktgleichen Dänen überholen. Spielten Dänemark
und Schweden aber 2:2 – oder ein noch torreicheres Unentschieden – war das
Ergebnis der Parallelpartie völlig bedeutungslos, Italien wäre in jedem Fall
ausgeschieden. Wie es manchmal so ihre Art ist, meckerten und lamentierten die
Italiener schon im Vorfeld, was sie zwar viele Sympathien kostete – sie hatten
aber wohl recht! Denn Dänemark und Schweden trennten sich 2:2, die Italiener
schafften zwar den Sieg gegen Bulgarien, hatten aber nichts mehr davon. Ob es
in diesem Spiel eine Absprache gab, ist allerdings bis heute stark umstritten.
Zu schnell und spektakulär erschien es vielen Zuschauern, zu überraschend die
Wendungen. Auf der anderen Seite wiesen Kritiker unter anderem darauf hin, dass
der in den früheren Spielen so sichere dänische Keeper Sörensen beide schwedischen
Tore durch kapitale Patzer begünstigt hatte… Sicher werden wir es wohl nie
wissen.
Für den Zuschauer bedeutet diese Parallelschaltung
natürlich, dass er entweder auf ein Spiel komplett verzichten oder, sofern
überhaupt beide Spiele übertragen werden, hin- und herschalten muss – was natürlich
das Risiko beinhaltet, die besten Momente beider Spiele genau zu verpassen. In
den letzten Turnieren haben die öffentlich-rechtlichen Sender es so geregelt,
dass das vermeintlich interessantere der beiden Spiele auf dem Muttersender,
ARD oder ZDF, übertragen wird. Der Spielstand des Parallelspiels wird dabei die
ganze Zeit eingeblendet, und bei Toren wird kurz dort hinüber geschaltet. Wer
sich doch eher für das zweite Spiel interessiert, der kann es auf dem jeweiligen
Tochtersender (ZDFinfo oder ARDone) live verfolgen. Das ist vermutlich die bestmögliche
Lösung, trotzdem leidet der Fußballfan mit den verpassten Spielen. Das erste
Doppelspiel heute, Russland – Uruguay/ Saudi-Arabien – Ägypten, verpasse ich
aber ohnehin, da ich noch auf Arbeit bin. Am Abend schaue ich dann das 1:1
zwischen Portugal und dem Iran, während insgesamt immerhin viermal zum
spektakulären 2:2 zwischen Spanien und Marokko geschaltet wird. Ich habe wohl
nichts Wichtiges verpasst.
Es sei zudem noch
bemerkt, dass die Parallelspiel-Regelung zu einem meiner aufregendsten,
befriedigendsten Fußballmomente überhaupt beigetragen hat:
Bei der WM 2010 spielten zum Abschluss ihrer Gruppe parallel
England – Slowenien und USA – Algerien. England war so gut wie durch, Algerien
raus – es war also ein Fernduell zwischen den Amerikanern und den Slowenen.
Dabei mussten die Amerikaner auf eine Niederlage der Slowenen hoffen und selbst
gewinnen, um noch an den Osteuropäern vorbeizuziehen. Leider konnte ich das
Spiel der Amerikaner nicht sehen. Ich weiß nicht mehr genau, ob es damals die
Übertragung auf dem Tochtersender noch nicht gab oder ob unser Fernseher den
Tochtersender nicht empfing. Jedenfalls hatte der Hauptsender sich entschieden,
England gegen Slowenien zu übertragen. Sven, der mal wieder zu Gast war, und
ich sahen also einen grauenhaft langweiligen 1:0-Sieg der Briten. Im Spiel der
Amerikaner stand es die ganze Zeit 0:0 – es war noch nicht ein einziges Mal
dorthin hinübergeschaltet worden. Doch dann, plötzlich, England – Slowenien war
bereists abgepfiffen, alle hatten sich damit abgefunden, dass die beiden europäischen
Teams weiterkommen würden, der Schrei des Kommentators: „TOOOOOOOOOOOR IN
PRETORIA!!!!“ Sven und ich hielten den Atem an. Die Umschaltung nach Pretoria
kam, und eine amerikanische Jubeltraube erschien auf dem Bildschirm. Zeitgleich
sprangen Sven und ich vom Sofa, machten pumpende Faustbewegungen und
skandierten: „U-S-A! U-S-A! U-S-A!“ Herrlich. Ich glaube, es wäre mir nicht in
derartiger Erinnerung geblieben, wenn ich das ganze Spiel gesehen hätte.
Fußballirrtum des
Tages: Das Spiel dauert 90 Minuten (siehe
Einzelpost)
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