In dieser lockeren Reihe werde ich in Zukunft einige klassische Denk- und Logikfehler vorstellen und wie sie sich auf Fußballfans und vor allem Amateurfußballtrainer auswirken. Vermeidest du diese Fehler, bist du schon auf halbem Weg zum Trainerstar!
"Bayern München bietet großartiges Training!"
"Mädchen werden besser, wenn sie möglichst lange mit Jungs trainieren!"
- SWIMMERS BODY ILLUSION
Die Spieler des FC Bayern München gehören durchweg zu den besten Fußballern Deutschlands, und mit ihrer Hilfe dominiert der Verein seit Jahrzehnten die Bundesliga. Warum aber sind die Spieler der Bayern so stark? Viele vermuten: Exzellentes Training. Manch ein Spieler, der an der Säbener Straße anheuert, begründet seine Entscheidung sogar damit, dass das Training dort ihn voranbringen wird.
Dabei verhält es sich in Wirklichkeit ganz anders: Bayern München ist der reichste Verein Deutschlands und kauft mit seinem Geld die stärksten Spieler. Zu den besten Spielern Deutschlands zu gehören, ist Voraussetzung, um am Training der Bayern teilzunehmen, nicht das Ergebnis des Trainings (was nicht heißen soll, dass das Training bei den Bayern schlecht ist - nur, dass man seine Qualität nicht an der Stärke der Spieler ermessen kann).
Diesen Denkfehler, die Verwechslung von Auswahlkriterium und Ergebnis, nennt man die Swimmers Body Illusion, den "Schwimmerkörper-Trugschluss". Viele Menschen glauben, vom intensiven Schwimmen bekäme man den markanten Körperbau von Michael Phelps, mit dem V-förmigen Oberkörper - dabei ist Phelps Profischwimmer, weil er die Anlagen zu diesem Körperbau hat.
Die Swimmers Body Illusion steckt meiner Meinung nach auch hinter dem populärsten Irrtum im Mädchenfußball: Hartnäckig hält sich das Gerücht, Fußballerinnen würden davon profitieren, möglichst lange mit Jungen zusammen zu spielen und zu trainieren. Dabei ist längst hinreichend bewiesen, dass das nicht der Fall ist - es macht individuell keinen Unterschied, ob ein Mädchen unter Geschlechtsgenossinnen trainiert oder unter Jungen. Dafür gehen Vereinen, die in den unteren Altersklassen keine Mädchenmannschaft anbieten, Talente verloren - Mädchen, die nicht mit Jungs zusammen spielen wollen (oder dürfen). Wie kommt es aber zu diesem verhängnisvollen Mythos?
Vor Kurzem hat eines meiner Mädels, Natasha, angefangen, auch am Training des Jungen-Schulteams teilzunehmen. Wenig später erzählte mir Frau Preben, die die Jungs trainiert, begeistert, wie stark sich Natasha in kürzester Zeit entwickelt habe, wie mutig und durchsetzungsfähig sie geworden sei und wie toll sie mittlerweile spiele. Da sähe man ja mal wieder, dass es Mädchen eben doch helfen könne, bei den Jungs mitzumachen. Ich nickte das zuerst ab, schließlich hatte ich diesem Glauben auch lange angehangen und sah mich bestätigt - diese modernen Studien haben eben auch nicht immer Recht! Aber dann stutzte ich. War, ging es mir durch den Kopf, Natasha nicht schon immer mutig, durchsetzungsfähig und verhältnismäßig spielstark gewesen? Natürlich war sie das.
Passiert war selbstverständlich Folgendes: Weil Natasha so mutig ist, hat sie sich überhaupt erst getraut, es bei den Jungs zu versuchen - anders als meine anderen Mädels. Und weil Natasha sich durchsetzen kann und auch ganz gut spielt, konnte sie sich unter den Jungs behaupten und dort weitermachen - statt gleich wieder frustriert aufzugeben.
Ihr Mut, ihr Durchsetzungsvermögen und ihre Spielstärke sind die Bedingungen, die Natasha einbringen musste, um am Jungentraining teilzunehmen - nicht die Fähigkeiten, die sie dadurch erworben hat. Und das gilt für all die anderen Mädchen, die durch die "harte Schule" der Jungenteams gegangen sind, genauso. Ein Mädchen, das sich jahrelang in der anspruchsvolleren, schnelleren, härteren Welt des Jungenfußballs durchbeißt, schafft das, weil es anderen Mädchen etwas voraus hat.
Wenn Natasha davon profitiert, auch am Jungentraining teilzunehmen, dann deshalb, weil sie dadurch doppelt so oft trainiert wie ihre Teamkameradinnen, die nur an der Mädchenfußball-AG teilnehmen. Was natürlich auch schon ganz schön ist...
Hier landet alles, was ich so schreibe und wohl nie zu einem Buch machen werde - über mein Hobby Fußball (und Mädchenfußball im Speziellen), mein Berufsfeld Archäologie und alles, was mich sonst noch interessiert.
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