Trotz des sich so langsam offenbarenden
Schmiergeldskandals um ihre Vergabe bleibt die WM 2006 in guter Erinnerung.
Traumhaftes Wetter, ausgelassene Stimmung und… spektakuläre Spiele?
In Deutschland erinnern sich viele Menschen an ein
Feuerwerk des Angriffsfußballs, an hochklassige, schnelle Spiele mit vielen
Toren. Aber war das wirklich so?
Statistisch fielen bei der WM 2006 nur 2,3 Tore pro
Spiel, nur bei einer einzigen WM gab es bisher weniger. Der Schweiz gelang ein
skurriler WM-Rekord, sie war die erste Mannschaft, die bei einer WM ausschied,
ohne ein einziges Gegentor kassiert zu haben (das Aus kam nach einem 0:0 gegen
die Ukraine im Achtelfinale, nachdem die Schweizer im entscheidenden
Elfmeterschießen nicht einen einzigen Elfmeter verwandeln konnten).
Dafür ging es rabiater zu als je zuvor, insgesamt kam es
zu 28 Platzverweisen, sowohl als reine Zahl als auch im Schnitt pro Spiel (0,44)
der Höchstwert in der WM-Geschichte. Außerhalb Deutschlands erinnern sich viele
vor allem an die Achtelfinalpartie zwischen Portugal und den Niederlanden, in
der mit 12 gelben und vier gelb-roten Karten ebenfalls ein Rekord aufgestellt
wurde. Im Finale standen zwei defensiv ausgerichtete Teams, die wenige Tore
zuließen und selbst nur das Nötigste nach vorne machten. Weltmeister wurde
schließlich Italien, das im ganzen Turnier nur zwei Gegentreffer kassiert
hatte, ein Eigentor im Vorrundenspiel gegen die USA und ein Elfmetertor im
Finale gegen Frankreich. Als prägender Spieler des Turniers wurde Italiens
Innenverteidiger Fabio Cannavaro wahrgenommen, ein echter Zerstörer, der dann
sogar Weltfußballer des Jahres 2006 wurde. Die WM in Deutschland war also ein
Turnier der Verteidiger.
Warum aber erinnern dann so viele Deutsche 2006 als ein
Turnier des erfrischenden Angriffsfußballs? Weil die deutsche Mannschaft zum
ersten Mal seit Jahren offensiv spielte und viele Tore erzielte! Dass die
Leistung der eigenen Mannschaft den Blick auf das ganze Turnier verzerrt, ist
nicht neu – auch die WM 1990, bei der Deutschland Weltmeister wurde, wird
hierzulande positiver gesehen als im Rest der Welt. Das Turnier in Italien war
das einzige mit noch weniger Toren pro Spiel als 2006 (2,21) und ist allgemein
als langweiligste WM aller Zeiten verrufen…
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