Dienstag, 26. Juni 2018

WM-Blog 8 - Lieblingsteams


24.06.18

Spiele des Tages: England – Panama 6:1

                                Japan – Senegal 2:2

                                Kolumbien – Polen 3:0

Meine Tipps: England – Panama 1:0 (Punkte: 1)

                         Japan – Senegal 1:2 (Punkte: 0)

                         Polen – Kolumbien 1:1 (Punkte: 0)

Gesamtpunktzahl: 27 (inklusive Übertrag der nicht im Blog dokumentierten Spieltage)

Man kann nur Fan einer Mannschaft sein. Das Herzblut, das es kostet, ein echter Fan zu sein, hat man nicht zweimal zur Verfügung. Leute, die behaupten, Fan „diverser Mannschaften“ zu sein, sind meist in Wirklichkeit überhaupt keine Fans. Man kann übrigens auch kein Fan der Mannschaft sein, an der man selbst als Spieler oder Trainer beteiligt ist – den echten Fan zeichnet die Perspektive des machtlosen Zuschauers aus. Für mich gibt es kein wichtigeres Team als meine Fußballmädels, aber ich bin kein Fan des Teams – ich gehöre ja als Trainer dazu. Ich bin auch nicht Fan eines Nationalteams. Die Mannschaft, der ich fanatisch anhänge, die den Großteil meiner Fußballzuschauer-Emotionen aufsaugt, ist tragischerweise der HSV.

Zum Glück muss man kein Fan in diesem strengen Wortsinn sein, um mit einer Mannschaft zu sympathisieren, mit ihr mit zu fiebern und sich über ihre Erfolge zu freuen. Ich sympathisiere gleich mit einer ganzen Reihe von Nationalteams, aus verschiedenen Gründen. Das ist toll, denn zu Beginn der WM habe ich immer ein paar Teams im Rennen. Leider habe ich ein Faible für sympathische Verlierer, so dass ich so ab dem Viertelfinale oft wieder ohne Team dastehe.

Welche Teams ich seit wann und wieso unterstütze, habe ich hier mal aufgelistet und auch versucht, sie mit Hilfe meiner Gefühle bei verschiedenen Aufeinandertreffen der letzten Jahre in eine Top-10-Rangfolge zu bringen – beginnend mit dem Nationalteam, das mir am wichtigsten ist.


 Seit wann? WM 2002

Warum? Ich sympathisierte aufgrund meiner Neigung zu Teams von den britischen Inseln von Beginn der WM an mit den Iren. Mein Herz gewannen sie endgültig mit ihrer starken Vorrundenleistung gegen Deutschland, und dann ging es schnell die Rutschbahn hinab. Ich stieß auf sympathische kleine Geschichten über die Mannschaft, ich bekam zum Geburtstag (der immer während der WM stattfindet) ein Irland-Fanshirt und wurde Augenzeuge des dramatischen Aus gegen Spanien im Elfmeterschießen. Seitdem ist Irland meine liebste Nationalmannschaft.

Der beste Moment: Robbie Keanes 1:1 im WM-Vorrundenspiel gegen Deutschland 2002. Oder John O’Sheas 1:1 gegen Deutschland in der WM-Quali 2013. Letzteres habe ich in meinem Stamm-Irish Pub gesehen. Obwohl, wie gesagt, ein Irish Pub, war ich der einzige der vielen Gäste, der jubelte, als O’Shea traf. Daraufhin gab mir der Wirt ein Bier aus.

Mein Lieblingsspieler aller Zeiten: Robbie Keane




 Seit wann? Solange ich zurückdenken kann

Warum? Mein liebster Urlaubsort als Kind war ein Campingplatz am Vänernsee in Schweden. Von daher war ich prädestiniert, Schweden-Anhänger zu werden.

Der beste Moment: Das besonders Schöne an meiner Schweden-Anhängerschaft: Da gibt es so viele Momente. Natürlich ist das spektakuläre 4:4 im WM-Qualispiel gegen Deutschland 2012 zu nennen. Oder aber auch das Spiel um Platz 3 1994, das erste WM-Spiel, das ich als solches erlebte – ein 3:0 für Schweden. Oder der Tag auf der Fanmeile 2006, als Schweden in einem Duell von zwei meiner Teams (ich hatte mein Gesicht halb als Schweden-, halb als Englandflagge bemalt) zum Ausgleich gegen England traf und eine klischeehaft bildhübsche Schwedin mir einen herzhaften Kuss verpasste. Oder der Moment 2002, als Anders Svensson zum 1:1 gegen Argentinien traf und damit nicht nur für das Weiterkommen seiner Schweden, sondern auch für das Vorrundenaus der hochgehandelten Südamerikaner sorgte…  

Mein Lieblingsspieler aller Zeiten: Anders Svensson



3. Schottland

 Seit wann? Seit etwa 1996

Warum? Es fing natürlich mit meiner generellen Begeisterung fürs britische an. Bei der EM 96 gefielen mir dann die schottischen Trikots besonders gut. Später begeisterte mich der Kampfgeist der spielerisch eher schwachen Mannschaft.

Der beste Moment: Die Qualifikation zur EM 2004, als Schottland mit Frankreich und Italien eine scheinbar unmögliche Qualigruppe hatte, dann Frankreich zweimal und Italien einmal spektakulär schlug – und tragisch scheiterte, weil es in den Spielen gegen die schwachen Gruppengegner wie Kasachstan zu wenig Punkte holte.

Mein Lieblingsspieler aller Zeiten: James „Faddy“ McFadden



4. England

 Seit wann? Konkret seit 1996, eine leichte Neigung dorthin hatte ich aber schon immer

Warum? England war ein weiteres frühes Reiseland meiner Kindheit, das mich immer sehr faszinierte. Und ich habe früh die englische Liga verfolgt – viele meiner absoluten Lieblingsspieler waren und sind Engländer. Außerdem habe ich ein Faible für tragisches Scheitern – und das kann keiner so schön wie die Engländer.

Der beste Moment: Das 6:1 gegen Panama heute. So wollte ich England schon immer spielen sehen.

Mein Lieblingsspieler aller Zeiten: Alan Shearer



5. Australien

 Seit wann? Vage seit 2000, konkret seit 2005

Warum? Meine „Liebe“ zu Australien, einem Land, das ich nie bereist habe, kommt von den Olympischen Spielen 2000 in Sydney, die eins meiner liebsten Sportevents aller Zeiten sind – tolle Stimmung, super Wettkämpfe und das besondere Gefühl, Livesport mitten in der Nacht oder früh am Morgen zu schauen. Seither war ich Australien zugeneigt und hoffte, die Qualifikation des Fußballteams zu einem großen Turnier mitzuerleben – ein Wunsch der mit dem Confed-Cup 2005 und der WM 2006 schließlich erfüllt wurde. Und das Beste: Die Australier spielten genau so kämpferisch, kraftvoll und sympathisch, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und scheiterten beide Male genauso tragisch, wie meine Teams es nun mal zu tun pflegen.

Der beste Moment: Das bedeutungslose Confed-Cup-Spiel gegen Tunesien 2005, das ich mit meinem Kumpel Samuel live im Leipziger Zentralstadion sah. Australien verlor, aber die Stimmung war hervorragend – und hinterher entdeckten wir nur ein paar Straßenecken vom Stadion entfernt einen australischen Pub, in dem wir mit den weitgereisten Fans Fosters tranken und feierten.

Mein Lieblingsspieler aller Zeiten: Mark Viduka



6. Liechtenstein

 Seit wann? Seit etwa 2004

Warum? Meine schräge Beziehung zu Liechtenstein ist nur schwer knapp und verständlich wiederzugeben, also versuche ich es gar nicht erst. Liechtenstein hat sich jedenfalls in den letzten Jahren zu einem Running Gag in meinem Freundeskreis entwickelt.

Der beste Moment: Ich habe noch nie ein Liechtensteinspiel live gesehen – weder im Stadion noch im Fernsehen. Trotzdem: Als ich 2007 im Liveticker vom 1:0-Sieg über Lettland las, habe ich ausgelassen gefeiert.

Mein Lieblingsspieler aller Zeiten: Mario Frick, wohl einziger liechtensteinischer Träger eines Fußballweltrekords: Er ist bisher der einzige Spieler der Welt, der 100 Länderspielniederlagen erlitten hat.



7. USA

 Seit wann? WM 2002

Warum? Obwohl ich den USA schon 2002 politisch sehr kritisch gegenüberstand, spielte die Mannschaft damals so tollen Fußball, dass ich mich total in sie verliebte. Außerdem haben sie immer coole Auswärtstrikots.

Der beste Moment: Landon Donovans Tor gegen Algerien 2010. Was genau daran so toll war, werde ich in den nächsten Tagen in diesem Blog detaillierter beschreiben, wenn es um gleichzeitig stattfindende Spiele gehen wird.

Mein Lieblingsspieler aller Zeiten: Michael Bradley



8. Dänemark

 Seit wann? Schon immer

Warum? Weil Dänemark das häufigste Urlaubsland meiner Kindheit war, weil Dänemark in meiner ersten prägenden Fußballphase im Alter von sechs bis zwölf Jahren (also 1992 bis 1998) ein besonders gutes Team hatte, weil ich kurz danach, also mit zwölf oder dreizehn, die dänischen Mädchen für mich entdeckte und weil ich immer begeistert von den schönen roten Hummeltrikots war.

Der beste Moment: Kurioserweise ein 0:0, und zwar bei der EM 2004 gegen Italien. Eins der spannendsten Spiele, die ich je erlebt habe.

Mein Lieblingsspieler aller Zeiten: Peter Schmeichel



9. Neuseeland

 Seit wann? Seit 2010

Warum? Eigentlich habe ich bei der WM 2010 schlicht beschlossen, Neuseeland als Australiens kleinen Bruder einfach auch noch zu adoptieren. Sie gewannen kein Spiel und schieden gleich in der Vorrunde aus. Aber cool waren sie trotzdem.

Der beste Moment: Shane Smeltz‘ Führungstor gegen Italien 2010. Mein Bruder und ich sprangen zeitgleich vom Sofa auf und jubelten und grölten so laut, dass die ganze Nachbarschaft zusammengerannt kam (und eine ahnungslose Nachbarin fragte, ob ihr entgangen sei, dass Deutschland heute spiele…). Am Ende „nur“ ein 1:1, aber das störte uns kaum.

Mein Lieblingsspieler aller Zeiten: Chris Killen



10. Mexiko

 Seit wann? Seit 2005

Warum? Auf der Suche nach einer Mannschaft mit Potential, beim Confed-Cup 2005 sowohl die ungeliebten Brasilianer als auch die ungeliebten Deutschen zu schlagen, stieß ich auf Mexiko, deren Spielstil mir sofort zusagte und bis heute zusagt. Ich habe mir dann selbst ein Fanshirt bemalt (darauf waren ein Sombrero, ein Kaktus, die Umrisse von Mexiko und eine Tequila-Flasche mit dem Spruch „Wir werden spielen wie Flasche voll“…) und zu jedem Spiel laut Fiesta Mexicana und Mexico abgespielt und mitgegrölt. HOSSA! HOSSA! HOSSA, HOSSA, HOSSA!

Der beste Moment:  Mexiko hat die nette Angewohnheit, Teams zu schlagen, die ich nicht leiden kann. Daher gibt es derzeit drei ganz große Highlights: Natürlich der erhoffte Sieg gegen Brasilien beim Confed Cup 2005, der Sieg gegen die abartigen Franzosen bei der WM 2010 und der Sieg gegen Deutschland bei der laufenden WM.

Mein Lieblingsspieler aller Zeiten: Pavel Pardo



11 ff. Unter ferner liefen:

Weitere Nationalteams, denen ich hin und wieder die Daumen drücke, die aber klar hinter den oben genannten anstehen: Norwegen, Wales, Kanada, Südafrika, Island, Tahiti.



Fußballirrtum des Tages: Es gibt kein Team mehr in der Bundesliga, das nie abgestiegen ist (siehe Einzelpost)  

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