24.06.18
Spiele des Tages: England
– Panama 6:1
Japan – Senegal
2:2
Kolumbien – Polen
3:0
Meine Tipps: England
– Panama 1:0 (Punkte: 1)
Japan – Senegal 1:2 (Punkte: 0)
Polen – Kolumbien 1:1 (Punkte: 0)
Gesamtpunktzahl: 27
(inklusive Übertrag der nicht im Blog dokumentierten Spieltage)
Man kann nur Fan einer Mannschaft sein. Das Herzblut, das es
kostet, ein echter Fan zu sein, hat man nicht zweimal zur Verfügung. Leute, die
behaupten, Fan „diverser Mannschaften“ zu sein, sind meist in Wirklichkeit
überhaupt keine Fans. Man kann übrigens auch kein Fan der Mannschaft sein, an
der man selbst als Spieler oder Trainer beteiligt ist – den echten Fan zeichnet
die Perspektive des machtlosen Zuschauers aus. Für mich gibt es kein
wichtigeres Team als meine Fußballmädels, aber ich bin kein Fan des Teams – ich
gehöre ja als Trainer dazu. Ich bin auch nicht Fan eines Nationalteams. Die
Mannschaft, der ich fanatisch anhänge, die den Großteil meiner Fußballzuschauer-Emotionen
aufsaugt, ist tragischerweise der HSV.
Zum Glück muss man kein Fan in diesem strengen Wortsinn
sein, um mit einer Mannschaft zu sympathisieren, mit ihr mit zu fiebern und
sich über ihre Erfolge zu freuen. Ich sympathisiere gleich mit einer ganzen Reihe
von Nationalteams, aus verschiedenen Gründen. Das ist toll, denn zu Beginn der
WM habe ich immer ein paar Teams im Rennen. Leider habe ich ein Faible für sympathische
Verlierer, so dass ich so ab dem Viertelfinale oft wieder ohne Team dastehe.
Welche Teams ich seit wann und wieso unterstütze, habe ich
hier mal aufgelistet und auch versucht, sie mit Hilfe meiner Gefühle bei verschiedenen
Aufeinandertreffen der letzten Jahre in eine Top-10-Rangfolge zu bringen –
beginnend mit dem Nationalteam, das mir am wichtigsten ist.
Seit
wann? WM 2002
Warum? Ich sympathisierte aufgrund
meiner Neigung zu Teams von den britischen Inseln von Beginn der WM an mit den
Iren. Mein Herz gewannen sie endgültig mit ihrer starken Vorrundenleistung
gegen Deutschland, und dann ging es schnell die Rutschbahn hinab. Ich stieß auf
sympathische kleine Geschichten über die Mannschaft, ich bekam zum Geburtstag
(der immer während der WM stattfindet) ein Irland-Fanshirt und wurde Augenzeuge
des dramatischen Aus gegen Spanien im Elfmeterschießen. Seitdem ist Irland
meine liebste Nationalmannschaft.
Der beste Moment: Robbie Keanes 1:1 im
WM-Vorrundenspiel gegen Deutschland 2002. Oder John O’Sheas 1:1 gegen
Deutschland in der WM-Quali 2013. Letzteres habe ich in meinem Stamm-Irish Pub
gesehen. Obwohl, wie gesagt, ein Irish Pub, war ich der einzige der vielen
Gäste, der jubelte, als O’Shea traf. Daraufhin gab mir der Wirt ein Bier aus.
Mein Lieblingsspieler aller Zeiten: Robbie
Keane
Seit
wann? Solange ich zurückdenken kann
Warum? Mein liebster Urlaubsort als Kind
war ein Campingplatz am Vänernsee in Schweden. Von daher war ich prädestiniert,
Schweden-Anhänger zu werden.
Der beste Moment: Das besonders Schöne
an meiner Schweden-Anhängerschaft: Da gibt es so viele Momente. Natürlich ist
das spektakuläre 4:4 im WM-Qualispiel gegen Deutschland 2012 zu nennen. Oder
aber auch das Spiel um Platz 3 1994, das erste WM-Spiel, das ich als solches
erlebte – ein 3:0 für Schweden. Oder der Tag auf der Fanmeile 2006, als
Schweden in einem Duell von zwei meiner Teams (ich hatte mein Gesicht halb als
Schweden-, halb als Englandflagge bemalt) zum Ausgleich gegen England traf und
eine klischeehaft bildhübsche Schwedin mir einen herzhaften Kuss verpasste.
Oder der Moment 2002, als Anders Svensson zum 1:1 gegen Argentinien traf und
damit nicht nur für das Weiterkommen seiner Schweden, sondern auch für das
Vorrundenaus der hochgehandelten Südamerikaner sorgte…
Mein Lieblingsspieler aller Zeiten: Anders
Svensson
3. Schottland
Seit wann? Seit etwa 1996
Warum? Es fing
natürlich mit meiner generellen Begeisterung fürs britische an. Bei der EM 96
gefielen mir dann die schottischen Trikots besonders gut. Später begeisterte
mich der Kampfgeist der spielerisch eher schwachen Mannschaft.
Der beste Moment: Die
Qualifikation zur EM 2004, als Schottland mit Frankreich und Italien eine
scheinbar unmögliche Qualigruppe hatte, dann Frankreich zweimal und Italien
einmal spektakulär schlug – und tragisch scheiterte, weil es in den Spielen gegen
die schwachen Gruppengegner wie Kasachstan zu wenig Punkte holte.
Mein
Lieblingsspieler aller Zeiten: James „Faddy“ McFadden
4. England
Seit wann? Konkret seit 1996, eine leichte
Neigung dorthin hatte ich aber schon immer
Warum? England
war ein weiteres frühes Reiseland meiner Kindheit, das mich immer sehr
faszinierte. Und ich habe früh die englische Liga verfolgt – viele meiner
absoluten Lieblingsspieler waren und sind Engländer. Außerdem habe ich ein
Faible für tragisches Scheitern – und das kann keiner so schön wie die
Engländer.
Der beste Moment: Das
6:1 gegen Panama heute. So wollte ich England schon immer spielen sehen.
Mein
Lieblingsspieler aller Zeiten: Alan Shearer
5. Australien
Seit wann? Vage seit 2000, konkret seit
2005
Warum? Meine „Liebe“
zu Australien, einem Land, das ich nie bereist habe, kommt von den Olympischen
Spielen 2000 in Sydney, die eins meiner liebsten Sportevents aller Zeiten sind –
tolle Stimmung, super Wettkämpfe und das besondere Gefühl, Livesport mitten in
der Nacht oder früh am Morgen zu schauen. Seither war ich Australien zugeneigt
und hoffte, die Qualifikation des Fußballteams zu einem großen Turnier
mitzuerleben – ein Wunsch der mit dem Confed-Cup 2005 und der WM 2006
schließlich erfüllt wurde. Und das Beste: Die Australier spielten genau so
kämpferisch, kraftvoll und sympathisch, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und
scheiterten beide Male genauso tragisch, wie meine Teams es nun mal zu tun
pflegen.
Der beste Moment: Das
bedeutungslose Confed-Cup-Spiel gegen Tunesien 2005, das ich mit meinem Kumpel
Samuel live im Leipziger Zentralstadion sah. Australien verlor, aber die
Stimmung war hervorragend – und hinterher entdeckten wir nur ein paar Straßenecken
vom Stadion entfernt einen australischen Pub, in dem wir mit den weitgereisten
Fans Fosters tranken und feierten.
Mein
Lieblingsspieler aller Zeiten: Mark Viduka
6. Liechtenstein
Seit wann? Seit etwa 2004
Warum? Meine
schräge Beziehung zu Liechtenstein ist nur schwer knapp und verständlich
wiederzugeben, also versuche ich es gar nicht erst. Liechtenstein hat sich
jedenfalls in den letzten Jahren zu einem Running Gag in meinem Freundeskreis
entwickelt.
Der beste Moment: Ich
habe noch nie ein Liechtensteinspiel live gesehen – weder im Stadion noch im
Fernsehen. Trotzdem: Als ich 2007 im Liveticker vom 1:0-Sieg über Lettland las,
habe ich ausgelassen gefeiert.
Mein
Lieblingsspieler aller Zeiten: Mario Frick, wohl einziger
liechtensteinischer Träger eines Fußballweltrekords: Er ist bisher der einzige
Spieler der Welt, der 100 Länderspielniederlagen erlitten hat.
7. USA
Seit wann? WM 2002
Warum? Obwohl
ich den USA schon 2002 politisch sehr kritisch gegenüberstand, spielte die
Mannschaft damals so tollen Fußball, dass ich mich total in sie verliebte.
Außerdem haben sie immer coole Auswärtstrikots.
Der beste Moment: Landon
Donovans Tor gegen Algerien 2010. Was genau daran so toll war, werde ich in den
nächsten Tagen in diesem Blog detaillierter beschreiben, wenn es um
gleichzeitig stattfindende Spiele gehen wird.
Mein
Lieblingsspieler aller Zeiten: Michael Bradley
8. Dänemark
Seit wann? Schon immer
Warum? Weil
Dänemark das häufigste Urlaubsland meiner Kindheit war, weil Dänemark in meiner
ersten prägenden Fußballphase im Alter von sechs bis zwölf Jahren (also 1992
bis 1998) ein besonders gutes Team hatte, weil ich kurz danach, also mit zwölf
oder dreizehn, die dänischen Mädchen für mich entdeckte und weil ich immer begeistert
von den schönen roten Hummeltrikots war.
Der beste Moment: Kurioserweise
ein 0:0, und zwar bei der EM 2004 gegen Italien. Eins der spannendsten Spiele, die
ich je erlebt habe.
Mein
Lieblingsspieler aller Zeiten: Peter Schmeichel
9. Neuseeland
Seit wann? Seit 2010
Warum? Eigentlich
habe ich bei der WM 2010 schlicht beschlossen, Neuseeland als Australiens
kleinen Bruder einfach auch noch zu adoptieren. Sie gewannen kein Spiel und
schieden gleich in der Vorrunde aus. Aber cool waren sie trotzdem.
Der beste Moment: Shane
Smeltz‘ Führungstor gegen Italien 2010. Mein Bruder und ich sprangen zeitgleich
vom Sofa auf und jubelten und grölten so laut, dass die ganze Nachbarschaft
zusammengerannt kam (und eine ahnungslose Nachbarin fragte, ob ihr entgangen
sei, dass Deutschland heute spiele…). Am Ende „nur“ ein 1:1, aber das störte
uns kaum.
Mein
Lieblingsspieler aller Zeiten: Chris Killen
10. Mexiko
Seit wann? Seit 2005
Warum? Auf der
Suche nach einer Mannschaft mit Potential, beim Confed-Cup 2005 sowohl die ungeliebten
Brasilianer als auch die ungeliebten Deutschen zu schlagen, stieß ich auf Mexiko,
deren Spielstil mir sofort zusagte und bis heute zusagt. Ich habe mir dann
selbst ein Fanshirt bemalt (darauf waren ein Sombrero, ein Kaktus, die Umrisse
von Mexiko und eine Tequila-Flasche mit dem Spruch „Wir werden spielen wie
Flasche voll“…) und zu jedem Spiel laut Fiesta
Mexicana und Mexico abgespielt
und mitgegrölt. HOSSA! HOSSA! HOSSA, HOSSA, HOSSA!
Der beste Moment: Mexiko hat die nette Angewohnheit, Teams
zu schlagen, die ich nicht leiden kann. Daher gibt es derzeit drei ganz große
Highlights: Natürlich der erhoffte Sieg gegen Brasilien beim Confed Cup 2005,
der Sieg gegen die abartigen Franzosen bei der WM 2010 und der Sieg gegen Deutschland
bei der laufenden WM.
Mein
Lieblingsspieler aller Zeiten: Pavel Pardo
11 ff. Unter ferner
liefen:
Weitere Nationalteams, denen ich hin und wieder die
Daumen drücke, die aber klar hinter den oben genannten anstehen: Norwegen, Wales,
Kanada, Südafrika, Island, Tahiti.
Fußballirrtum des
Tages: Es gibt kein Team mehr in der
Bundesliga, das nie abgestiegen ist (siehe Einzelpost)
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