Turnier für Turnier scheidet die Fußballauswahl Englands früher
aus als im à
Mutterland des Fußballs erhofft und erwünscht (gerne im à Elfmeterschießen). Die
zu Fußballexperten mutierten ehemaligen Bundesligaspieler im deutschen
Fernsehen schieben dies stets auf die vielen Ausländer, die in der à
Premier League spielen. Sie würden englischen Talenten im Wege stehen und
verhindern, dass diese Spielerfahrung auf höchstem Level sammeln können.
Klingt auf den ersten
Blick logisch, ist aber völlig falsch. Tatsächlich stimmt an dem Satz „Für das
schlechte Abschneiden der englischen Nationalmannschaft ist der hohe
Ausländer-anteil in der Premier League verantwortlich“ außer Rechtschreibung
und Grammatik wirklich gar nichts.
Bereits die Prämisse
ist falsch: England schneidet international nicht schlechter ab, als für ein Land
mit seiner Einwohnerzahl, Vereinsdichte und so weiter zu erwarten wäre. Es sind
die „Mutterland des Fußballs“-Sache und die starke Liga, die uns (und auch die
Engländer selbst) immer blenden und mehr erwarten lassen, als realistisch drin
ist.
Auch die Annahme,
viele ausländische Spieler seien ein Hindernis für die heimischen Ball-künstler
ist so nicht wahr. Das belegt Jahr für Jahr die Aufstellung der englischen
Mannschaft. Die Elf, die bei der WM 2010 so unrühmlich ausschied, bestand z.B.
nahezu komplett aus Stammspielern von Premier League-Topmannschaften, darunter
Weltstars wie Wayne Rooney, Steven Gerrard, Frank Lampard und John Terry – ein
Bild, das sich fast bei jedem England-Spiel in jedem Turnier wiederholt. Das
sieht nicht so aus, als gäbe es wegen der Ausländer in der englischen Liga ein
Problem, exzellente heimische Spieler auszubilden.
Das Gegenteil ist der Fall: Die starken Ausländer fördern
die Qualität der englischen Fußballer. Müsste die Liga statt mit starken
Ausländern mit mittelmäßigen Engländern gefüllt werden, kämen die schließlich
leichter an Stammplätze und müssten weniger hart an sich arbeiten. Auch die
Spielerfahrung, die man in solch einer schwächeren Liga sammeln würde, wäre
weniger wert.
Interessanterweise
behaupten übrigens die Fußballstatistiker Simon Kuper und Stefan Szymanski,
dass englische Spieler sogar zuviel Einsatzzeiten in der Premier League
erhalten. In solch einer starken Liga ist jedes Spiel ein Topspiel, das
höchsten Einsatz erfordert. Die Premier League-Spieler müssen Spiel für Spiel
Höchstleistungen abrufen. Wenn die Saison endet und die internationalen
Turniere beginnen, sind sie erschöpft und oft auch verletzt – anders als die
Spieler der Bundesliga oder der spanischen Primera Division, die viel mehr
Ligaspiele gegen schwache Gegner haben und sich ihre Kräfte einteilen können.
Daher empfehlen die Statistiker dem englischen Fußballverband, Spieler in diese
Ligen zu exportieren. Bei Licht betrachtet sind nach dieser Logik irgendwie
doch die starken aus-ländischen Spieler in England an den schwachen Auftritten
der Nationalelf schuld – wenn auch anders, als der Stammtischexperte annimmt...
Quellen:
Simon Kuper/ Stefan Szymanski: Soccernomics. New York 2010; Christian
Eichler: Lexikon der Fußballmythen. München 2002
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