Ich lese mit Begeisterung Archäologie-Thriller jeder Art. Leider sind sie oft schwer zu finden, da sie in der "Spannungs"-Abteilung der Buchhandlungen zwischen Krimis und "normalen" Thrillern verschwinden. Mit der Rezensionsreihe, die ich heute beginne, will ich ein bisschen Abhilfe schaffen und meine Sucherfolge vorstellen. Viel Spaß!
Autor: Gerd Schilddorfer
Titel: Falsch
Reihe: John-Finch-Thriller (Band 1)
Daten: Originaltitel: Falsch (Originalveröffentlichung auf Deutsch)
Taschenbuch, 720 Seiten
Bastei Lübbe Verlag, 1. Auflage 2018 (Neuauflage in neuem Design)
ISBN-10: 3404177312
ISBN-13: 978-3404177318
Inhalt: Im kolumbianischen Dschungel steigen drei Brieftauben auf, die drei alten Männern oder ihren Nachfahren die Schlüssel zu einem alten Geheimnis überbringen. Als der alternde Buschpilot John Finch von einem der Empfänger, dem Millionär Wilhelm Klausner, beauftragt wird, die anderen beiden Empfänger aufzuspüren, sind bereits mehrere Parteien auf der Jagd nach dem Geheimnis - und einige schrecken vor nichts zurück, um die Konkurrenz aufzuhalten. Nachdem die Empfänger gefunden und die ersten Hinweise entschlüsselt sind, bricht Finch mit einer bunten Truppe von Gefährten nach Europa auf, um das Geheimnis zu lüften.
Eine Parallelgeschichte erzählt von dem Studenten und Flughafen-Loader Christopher Weber, der von dunklen Strippenziehern in einen Raubversuch auf dem Flughafen verwickelt wird und sich schließlich unfreiwillig mit den Yakuza anlegt.
Und drittens gibt es zwei historische Geschichten, die immer wieder eingefügt werden. Zunächst begleiten wir einen russischen Adligen auf der Flucht vor der kommunistischen Revolution; später erfahren wir die Vorgeschichte des geheimnisvollen Schatzes.
Archäologischer Hintergrund: Eigentlich ist Falsch strenggenommen gar kein Archäologie-Thriller; ich habe ihn in erster Linie aufgenommen, um nicht Band 1 der später eher archäologischen John Finch-Reihe auszulassen. Ohne das Ende vorwegzunehmen, kann ich auch nicht Zuviel auf den historischen Hintergrund eingehen. Es geht jedenfalls um geheime Operationen im dritten Reich, und wie meistens erklärt Schilddorfer die Hintergründe detailliert und gut.
Das ist gut: Falsch liest sich gut und spannend und hat interessante und sympathische Charaktere, mit denen man schnell mitfiebert. Die Schilderung der Handlungsorte und -Zeiten ist sehr gelungen, die enorme Menge an Fakten erfreut auch deshalb, weil sie geschickt eingebaut ist. Man lernt beim Lesen, ohne sich lehrmeisterlich behandelt zu fühlen.
Das ist schlecht: Achtung, ab hier leichte Spoilerwarnung - die meisten Probleme des Buches treten erst gegen Ende zu Tage!
Es ist etwas entnervend, dass man fast bis zum Ende nicht mal einen brauchbaren Hinweis erhält, um was es bei dem Geheimnis eigentlich geht. Auch Leute, die Bescheid wissen oder zumindest eine Ahnung haben, schweigen das ganze Buch über. Wann immer jemand doch die Wahrheit erfährt, werden wir als Leser ausgeschlossen, erfahren nur, wie erschüttert der nun Wissende ist.
Daher rechnet man mit etwas ganz Spektakulärem und ist dann doch etwas enttäuscht, wie banal die Auflösung ist.
Etwas irritierend auch: Das ganze Buch wirkt etwas nach Wunschdenken eines alten Mannes. Es schadet überhaupt nicht, wenn Senioren die Hauptpersonen eines Buches sind, aber die Ansammlung von heldenhaften, enorm kompetenten, immer noch fitten Charakteren um die 70 ist schon ein bisschen auffällig. Dass der ebenfalls weit über 60-jährige Finch mit der attraktiven, kultivierten, reichen und um die dreißig Jahre jüngeren Fiona im Bett landet (und in späteren Bänden auch eine feste Beziehung mit ihr hat), wirkt auch etwas... naja, zu seinen Gunsten konstruiert.
Wie die Haupthandlung und die Nebenhandlung um Christopher Weber, die eigentlich gar nichts mit der Haupthandlung zu tun hat, am Ende zusammengeführt werden, und wie das Geheimnis gegen alle Widerstände doch noch gelüftet wird, ist derart konstruiert und an den Haaren herbeigezogen, dass man es einfach nur noch als unglaubwürdig empfindet. Ein Fan des Buches würde nun sicherlich sagen, dass es solche Zufälle im wahren Leben auch gibt... Aber als Autor darf man es sich dann doch nicht so einfach machen.
Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass die erste historische Nebenhandlung um den russischen Adligen auf der Flucht tatsächlich überhaupt keinen Einfluss auf oder Zusammenhang mit der Haupthandlung und nur einen minimalen Zusammenhang mit der Nebenhandlung hat (zwei Charaktere arbeiten für bzw. besuchen eine Schule für "besondere" Kinder in der Schweiz, die von diesem Adligen gegründet wurde; dieser Fakt ist aber für die Handlung bedeutungslos). Ließe man alle diese Kapitel weg, ginge dem Buch nichts verloren.
Bewertung: Ich habe das Buch schnell gelesen und war über weite Strecken auch unterhalten; das Ende hat mich aber sehr enttäuscht. Wäre es mein erster John-Finch-Roman gewesen, hätte ich die anderen (besseren) Bände wohl nicht gelesen. Schulnote 4+.
Hier landet alles, was ich so schreibe und wohl nie zu einem Buch machen werde - über mein Hobby Fußball (und Mädchenfußball im Speziellen), mein Berufsfeld Archäologie und alles, was mich sonst noch interessiert.
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