Donnerstag, 29. April 2021

Wie du dein Schulfußball-Team professionell wirken lässt

Bevor wir das „Wie“ betrachten, sollten wir das „Warum“ klären. Warum willst du, dass dein Schulfußballteam professioneller wirkt, als es ist?

Klar – Psychologie. Fühlt dein Team sich „wie eine echte Fußballmannschaft“, wirkt sich das positiv auf das Selbstvertrauen und damit die Leistung aus. „Richtig echter Fußball“ wirkt übrigens auch anziehend und kann dir neue Spielerinnen in die Mannschaft spülen. Aber vor allem willst du die Gegner beeindrucken. Im Schulfußball hast du schon halb gewonnen, wenn die Spielerinnen auf der anderen Seite mit dem Eindruck ins Spiel gehen, dass deine Mannschaft besser ist.

Aber Achtung: Übertreiben darf man nicht! Denn trägt man zu dick auf, dann erzeugt man zum einen den Effekt, dass die Gegner besonders motiviert sind, deine arrogante Truppe zu schlagen; zum anderen zieht eine Mannschaft, die hyperprofessionell auftritt und dann lausig spielt, Schimpf und Schande in besonderem Maße auf sich. Im Folgenden zeige ich dir also nicht nur, was für einen professionellen Eindruck im Schulfußball unerlässlich ist, sondern auch, was du lieber lassen solltest.

 

1: Trikots  

Einheitliche Trikots sind das absolute Minimum. Sie sollten aus Trikotstoff sein und einen Trikotschnitt haben. Sponsorenwerbung auf der Brust ist nett, aber nicht zwingend erforderlich, Rückennummern aber sind unverzichtbar. Die Trikots müssen ein identisches Design haben – alle in der gleichen Farbe reicht nicht! Die Hosen und Stutzen dazu sollten zwar eine einheitliche Farbe haben, hier ist das Design aber nicht ganz so wichtig. Die „Bringt alle eine schwarze Sporthose mit“-Methode ist hier absolut ausreichend. Auch ein Torwarttrikot, das eine andere Farbe hat als die Spielertrikots, ist unerlässlich.

Was ist zu wenig? Wie gesagt, T-Shirts. Oder lauter unterschiedliche Trikots in mehr oder weniger gleicher Farbe. Am allerschlimmsten: Jede Spielerin zieht an, was sie will, und dann werden Leibchen übergezogen. Das wirkt dermaßen unprofessionell, dass es schon fast lächerlich ist. Trikots ohne Rückennummern sind bereits grenzwertig, wenn du bei einem Turnier antrittst, in dem keine Nummern vorgeschrieben sind. Sobald man aber anfängt, mit Paketklebeband etc. Rückennummern zu improvisieren, wird man auf gar keinen Fall mehr ernstgenommen.

Die Torhüterin sollte auf keinen Fall ein Feldspielertrikot mit Leibchen darüber oder einfach einen Pullover tragen – ansonsten ist man da allerdings weniger streng, weil es nicht ungewöhnlich ist, wenn eine Schulfußballtorhüterin ihre eigene Ausrüstung mitbringt, also z.B. ein Trikot von einer anderen Firma trägt als der Rest der Mannschaft.

Was ist zu viel? Generell gilt: Mit personalisierten Trikots (also den Namen der Spielerinnen auf dem Rücken) wird man sofort in die Kategorie „Arrogante Poser“ eingeordnet. Auch alles, was über Trikot-Hose-Stutzen hinausgeht, also z.B. einheitliche Trainingsjacken, sollte man im Schulfußball vermeiden. Ebenfalls eine „Was ist denn mit denen los“-Reaktion kann erwarten, wer mit zwei unterschiedlichen Trikotsets zu einem Turnier aufkreuzt und dann gegebenenfalls zum „Auswärtstrikot“ wechselt. Bei zwei Teams mit gleicher Trikotfarbe ist im Rahmen eines Schulfußballturniers das Tragen von Leibchen völlig ausreichend.

 

2: Die Ausrüstung

Wer professionell wirken will, sollte neben Trikots noch ein bisschen Ausrüstung mitbringen. Das heißt nicht, dass man bergeweise Krimskrams mitschleppen soll. Aber es macht einen guten Eindruck, wenn man sich die absoluten Basics nicht bei Gegnern oder Turnierleitung leihen muss – und vielleicht sogar selber mal etwas verleihen kann. In die Ausrüstung gehören auf jeden Fall: Torwarthandschuhe, eine Schirmmütze für die Keeperin, Pflaster und Desinfektionsspray, Sonnencreme, Zopfgummis, Leibchen, mindestens ein Ball, ein Kugelschreiber (zum Ausfüllen des Turnierplans).

Was ist zu wenig? Zuallermindest solltest du die Torwarthandschuhe und den Ball dabeihaben. Fehlt eins von beidem, ist das schon ziemlich blamabel.

Was ist zu viel? Aufwändige Trainingsausstattung (siehe dazu auch Punkt 5) sollte am heimischen Trainingsplatz bleiben. Ansonsten ist darauf zu achten, dass man nicht wie ein neurotischer Planer wirkt, der auf jede noch so absurde Eventualität eingestellt ist – Tornetzflickzeug z.B. solltest du nicht mitbringen. Auch den Eindruck des die Spielerinnen komplett verhätschelnden Helikoptertrainers willst du wohl eher vermeiden. Also bitte keine Schuheinlagen, kein Make-Up und kein Raumspray „weil die Kabine so schlimm riecht“. Und achte darauf, dass du von allem, was du mitbringst, auch weißt, wie man es benutzt. Gilt natürlich vor allem für medizinische Ausrüstung.

 

3. Die Kapitänin

Eine als solche erkennbare Mannschaftskapitänin zu haben, habe ich immer für das Minimum gehalten. Allein schon, damit keine Unklarheit besteht, wer am Ende nach vorne geht und die Urkunde für den achten Platz abholt. Aber viele Trainer denken nicht daran, eine Kapitänin zu ernennen. Dabei macht das echt was her. Einmal wurde ich Ohrenzeuge, wie die Spielerinnen einer gegnerischen Mannschaft sich, nachdem Sophia Savoy mit ihrer Kapitänsbinde am Arm an ihnen vorbeigegangen war, beeindruckt zuraunten: „Die haben sogar eine Kapitänin!!!“

Ob du, wie ich das mache, eine feste Kapitänin mit Aufgaben auch abseits der Turniere hat, oder nur schnell vor dem Turnierbeginn eine deiner Spielerinnen ernennst, ist dabei für die Wirkung auf den Gegner egal. Hauptsache, deine Spielerinnen wissen, dass die Kapitänin bei Begrüßung und Siegerehrung vorne steht.

Was ist zu wenig? Klar, keine Kapitänin haben. Vor allem, wenn in deiner Mannschaft Verwirrung ausbricht, sobald die Turnierleitung eine Teamvertreterin nach vorne rufen will.

Bei der Kapitänsbinde ist zu beachten: Eine zu haben, macht einen guten, professionellen Eindruck. Keine zu haben, ist auch in Ordnung. Was gar nicht geht, ist eine improvisierte Kapitänsbinde: Krepppapier, ein Schweißband, Mullbinde etc. gehören auf keinen Fall an den Arm deiner Kapitänin!

Was ist zu viel? Wenn du und/oder deine Spielerinnen die Kapitänin nur noch „Captain“ nennen. Das klingt aufgesetzt.

 

4. Der Trainer

Ja, auch an deinem Auftreten kann man feilen, damit du professioneller wirkst. Im Wesentlichen musst du zwei Punkte beachten: Erstens solltest du dich souverän verhalten. Das bedeutet: Sportliche Fairness, Ruhe im Umgang mit Spielerinnen, Schiedsrichter und Gegnern und ein bisschen Ahnung von Fußball. Zweitens sollte auch dein Outfit professionell wirken. Sportlich leger – Trainingsanzug, notfalls aber auch T-Shirt und Jeans. Unter dem Arm vielleicht ein Klemmbrett für den Turnierplan.

Was ist zu wenig? Schluffige Kleidung oder Arbeitsklamotten und jede Form von schlechtem Benehmen: Auf den Schiedsrichter schimpfen, Gegnerinnen niedermachen, deine eigenen Spielerinnen zusammenstauchen. Außerdem: Das Demonstrieren von völliger Ahnungslosigkeit im Bereich Fußball. Wenn du wirklich ein blutiger Anfänger bist, dann halte dich wenigstens zurück, damit du nicht so auffällst. Und folge diesem Blog, dann bist du das Problem bald los.

Was ist zu viel? Arrogantes Vorführen enormen Fußballfachwissens. Du brauchst wirklich nicht jeden in eine detaillierte Taktikdiskussion verwickeln. Optisch gelten Shirts im Design der Trikots deiner Mannschaft mit der Aufschrift „Trainer“ oder „Coach“ als zu dick aufgetragen. Und komm nicht im Anzug – Anzug tragen Proficoaches, keine Schulmannschaftstrainer. Übrigens: Die früher völlig legitime Stoppuhr um den Hals vermittelt, seit jedes Handy über eine Stoppuhr verfügt, auch ein bisschen das Gefühl des Überladenen, Schauspielerischen.

 

5. Das Aufwärmen

Erscheint mit etwas Vorlaufzeit auf dem Platz. Eine halbe Stunde ist ideal. Dann wärmst du deine Mannschaft mit ein paar Übungen auf. Alle nehmen teil und strengen sich an. Ein professionell wirkendes Aufwärmprogramm könnte z.B. aus dem Lauf-ABC, einer Runde „Schweinchen in der Mitte“ und einem abschließenden Einschießen aufs Tor bestehen.

Was ist zu wenig? Gar nicht aufwärmen. Auch aus gesundheitlichen Gründen.

Das sogenannte „Individuelle Aufwärmen“ (alle machen die Übungen, auf die sie Lust haben) wirkt superprofessionell, wenn auch wirklich alle Spielerinnen für sich konzentriert sinnvolle Aufwärmübungen machen. Da das im Mädchen-Schulfußball aber eigentlich nie klappt, verzichtest du vielleicht am besten darauf.

Was auch gar nicht geht: Aufwärmen nur mit dem Teil der Mannschaft, der Lust hat oder sich auch mal aus der Umkleidekabine bequemt. Nein! Alle machen mit!

Was ist zu viel? Komplizierte Trainingsgeräte mitbringen und zum Aufwärmen einsetzten. Schon die Koordinationsleiter ist sehr grenzwertig. Alles, was darüber hinausgeht, sollte unbedingt vermieden werden.

Außerdem: Verbissenes Aufwärmen. Die Grenze zum konzentrierten Aufwärmen ist etwas schwammig, aber wer schon mit „Hopp, hopp, hopp!“ aus der Kabine galoppiert kommt und die Begrüßung verpasst, weil unbedingt das Lauf-ABC komplett abgeschlossen werden muss, macht sich garantiert zum Löffel.

 

PRO-TIP: Als letzte Demonstration der Professionalität vor dem Anpfiff eignet sich ein gut durchgeführter Teamkreis. Die Spielerinnen treffen sich (inklusive Ersatzspielerinnen) in der Mitte der eigenen Hälfte und bilden einen Kreis. Unter Anleitung der Kapitänin brüllen sie laut einen einfachen, ja nicht zu überladenen Schlachtruf (zu überladen ist alles, was länger als eine Minute dauert und/oder lauter Reime enthält; meine Mannschaft ist bisher mit „Wer sind wir? DIE SCHILLER-MÄDCHEN! Was sind wir? EIN TEAM!!!“ gut gefahren). Danach löst sich der Kreis sofort auf und alle laufen auf ihre Positionen. Wenn ihr das gut choreografiert hinbekommt, jagt ihr jedem Gegner direkt vor Spielbeginn noch einmal richtig Angst ein!  

 

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