3. Es ist ein Ross
entsprungen
Ein immer noch erstaunlich häufiger Irrtum und ein
klassischer „Mondegreen“, ein Textverhörer. Geht es in dem bekannten
Weihnachtslied tatsächlich um ein entlaufenes Pferd?
Natürlich nicht. Es ist nicht ein Ross, sondern ein Ros‘
entsprungen, eine poetische Verkürzung von „eine Rose“. Das Ganze ist eine
Metapher, in der nach dem katholischen Urtext Isai (Jesse), ein biblischer
Vorfahre von Maria, die Wurzel ist, aus der ein Rosenstock wächst (Maria), der
schließlich eine Blume trägt, Jesus. In der heute geläufigeren protestantischen
Textversion soll Maria weniger stark betont werden; hier ist Jesus sowohl die
Ros‘, also der Rosenstock, als auch das daraus entspringende Blümlein –
ungeachtet der logischen Probleme, die das aufwirft…
4.
Im Lied Let it Snow wird um Schnee an Weihnachten gebeten
Let it
snow, let it snow, let it snow… Das Lied, ursprünglich 1945 von
Sammy Cahn und Jule Styne geschrieben und vielfach gecovert, wird zur
Weihnachtszeit in Radio und Kaufhäusern rauf und runter gespielt. Und in vielen
Teilen Deutschlands wünschen sich die Menschen ja auch sehnlichst und meist
vergeblich Schnee zu Weihnachten. Lass es schneien, das Lied passt wie
die Faust aufs Auge – oder etwa nicht?
Tatsächlich besagt der Liedtext fast genau das Gegenteil. Lass
es schneien soll hier nicht bedeuten ‚Lass es bitte anfangen zu
schneien’, sondern ‚Lass es ruhig weiterschneien, ist mir doch egal’,
im Text wird geschildert, wie schön es mit der Liebsten am warmen Kamin ist,
auch wenn es draußen unaufhörlich schneit.
Quellen: Sammy
Cahn, Let
it Snow!
5.
Rudolf ist eins der acht Rentiere des Weihnachtsmannes
Rudolf, das rotnasige Rentier ist mit weitem Abstand das
bekannteste Tier aus dem Gespann des Weihnachtsmannes. Dieses besteht
bekanntlich aus acht Rentieren. Also außer Rudolf noch sieben, oder?
Falsch. Traditionell sind es tatsächlich acht Rentiere, nur
gehört Rudolf nicht dazu. Bis 1939 wurden als Namen der Zugtiere meist Dasher,
Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donder
(oder Donner) und Blitzen genannt, die aus Thomas Nashs `Twas
the night before Christmas von 1822 stammen. Erst mit dem 1939
veröffentlichten Malbuch Rudolph the red-nosed Reindeer kommt das
populäre Führungstier hinzu. Im gleichnamigen Lied von 1949 werden die Namen
aller acht klassischen Rentiere erwähnt, Rudolf erringt im Laufe der Handlung
den Platz als Nummer Neun.
Natürlich gibt es dennoch Darstellungen, in denen Rudolf
eins von nur acht Rentieren ist, und sogar solche, in denen er als Teil eines
Zweier- oder Dreiergespanns arbeitet. Selbst ein einzelnes Rentier, ebenfalls
meist Rudolf genannt, ist schon als Zugtier aufgetaucht. Aber streng
traditionell ist er „nur“ die Nummer Neun.
Quellen:
Hartmut
Schickert, Der kleine wissenschaftliche Adventsbegleiter; Barbara Rias-Bucher,
Das Weihnachts-ABC; http://en.wikipedia.org/wiki/Santa_Claus%27_reindeer
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