Dienstag, 5. Dezember 2017

Weihnachtsirrtümer 3 - 5

Um zum Datum aufzuschließen, heute drei kurze Irrtumartikel auf einmal:



3. Es ist ein Ross entsprungen

Ein immer noch erstaunlich häufiger Irrtum und ein klassischer „Mondegreen“, ein Textverhörer. Geht es in dem bekannten Weihnachtslied tatsächlich um ein entlaufenes Pferd?

Natürlich nicht. Es ist nicht ein Ross, sondern ein Ros‘ entsprungen, eine poetische Verkürzung von „eine Rose“. Das Ganze ist eine Metapher, in der nach dem katholischen Urtext Isai (Jesse), ein biblischer Vorfahre von Maria, die Wurzel ist, aus der ein Rosenstock wächst (Maria), der schließlich eine Blume trägt, Jesus. In der heute geläufigeren protestantischen Textversion soll Maria weniger stark betont werden; hier ist Jesus sowohl die Ros‘, also der Rosenstock, als auch das daraus entspringende Blümlein – ungeachtet der logischen Probleme, die das aufwirft…




4. Im Lied Let it Snow wird um Schnee an Weihnachten gebeten
Let it snow, let it snow, let it snow… Das Lied, ursprünglich 1945 von Sammy Cahn und Jule Styne geschrieben und vielfach gecovert, wird zur Weihnachtszeit in Radio und Kaufhäusern rauf und runter gespielt. Und in vielen Teilen Deutschlands wünschen sich die Menschen ja auch sehnlichst und meist vergeblich Schnee zu Weihnachten. Lass es schneien, das Lied passt wie die Faust aufs Auge – oder etwa nicht?
Tatsächlich besagt der Liedtext fast genau das Gegenteil. Lass es schneien soll hier nicht bedeuten ‚Lass es bitte anfangen zu schneien’, sondern ‚Lass es ruhig weiterschneien, ist mir doch egal’, im Text wird geschildert, wie schön es mit der Liebsten am warmen Kamin ist, auch wenn es draußen unaufhörlich schneit.
Quellen: Sammy Cahn, Let it Snow!

5. Rudolf ist eins der acht Rentiere des Weihnachtsmannes
Rudolf, das rotnasige Rentier ist mit weitem Abstand das bekannteste Tier aus dem Gespann des Weihnachtsmannes. Dieses besteht bekanntlich aus acht Rentieren. Also außer Rudolf noch sieben, oder?
Falsch. Traditionell sind es tatsächlich acht Rentiere, nur gehört Rudolf nicht dazu. Bis 1939 wurden als Namen der Zugtiere meist Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donder (oder Donner) und Blitzen genannt, die aus Thomas Nashs `Twas the night before Christmas von 1822 stammen. Erst mit dem 1939 veröffentlichten Malbuch Rudolph the red-nosed Reindeer kommt das populäre Führungstier hinzu. Im gleichnamigen Lied von 1949 werden die Namen aller acht klassischen Rentiere erwähnt, Rudolf erringt im Laufe der Handlung den Platz als Nummer Neun.
Natürlich gibt es dennoch Darstellungen, in denen Rudolf eins von nur acht Rentieren ist, und sogar solche, in denen er als Teil eines Zweier- oder Dreiergespanns arbeitet. Selbst ein einzelnes Rentier, ebenfalls meist Rudolf genannt, ist schon als Zugtier aufgetaucht. Aber streng traditionell ist er „nur“ die Nummer Neun.
Quellen: Hartmut Schickert, Der kleine wissenschaftliche Adventsbegleiter; Barbara Rias-Bucher, Das Weihnachts-ABC;   http://en.wikipedia.org/wiki/Santa_Claus%27_reindeer

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